Modellbahn Tagebuch

Ein leiser Hauch von schwerem Öl und heißem Ruß liegt in der Luft, getragen vom bittersüßen Duft verglimmender Kohle. Schließe für einen Moment die Augen und lausche dem Erwachen einer eigenen kleinen Welt: Das rhythmische, feine Klicken der Relais gibt den Takt vor, gefolgt vom vertrauten, tiefen Rollen stählerner Räder auf filigranen Gleisen. Weiße Dampfwolken steigen empor und hüllen die detailverliebte Landschaft in nostalgische Poesie. Jedes Signal, jeder Waggon und jeder Schienenstoß erzählt eine Geschichte von Sehnsucht, Präzision und dem großen Zauber im Miniaturformat.

Komme an Bord und begleite uns auf den Spuren der Schienenwege:

Neuester Beitrag

Auf den Spuren von Geschichte und Frieden

Es ist kalt in Deutschland. Wenn der Winter den Rhein umhüllt und der Himmel schwer und grau über der Landschaft liegt, beginnt eine besondere Fahrt. Wir begleiten einen Sonderzug, eine Preußische P8 mit „Hechten“, die sich von Andernach aufmachen, die linke Rheinstrecke entlang Richtung Norden.

Leise knirscht der Schnee unter den Rädern, graues Licht spiegelt sich in der Oberfläche des Rheins. Die kahlen Bäume am Ufer ziehen vorbei, der Fluss fließt still und dunkel.

Alles wirkt gedämpft – die Farben, die Geräusche, die Zeit selbst scheint langsamer zu werden. Hinter Sinzig löst sich der Zug aus der gewohnten Linie, sucht das unbekannte Terrain am Fluss und trägt den Reisenden in eine Landschaft voller Ruhe, Geschichte und vergänglicher Schönheit bis zur Brücke von Remagen.

Die Brücke von Remagen spielte im Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle: Im März 1945 gelang es den Alliierten, die intakte Brücke einzunehmen und damit eine wichtige Rheinüberquerung zu sichern – ein strategischer Moment, der den Kriegsverlauf in dieser Region maßgeblich beeinflusste. Nur wenige Tage später stürzte die Brücke infolge von Sprengungen und Kriegsschäden ein, und viele Soldaten verloren dabei ihr Leben. Heute steht nur noch der linksrheinische Brückenkopf, der als Friedensmuseum an die Ereignisse erinnert und Besucher einlädt, über Krieg, Frieden und Geschichte nachzudenken, was heute mehr als nötig ist.

Die Preußische P 8 – DR BR 38 1182 ist ein Must-Have-Addon für jeden Fan klassischer Bahn-Simulationen MSTS / OpenRails.

Kostenlos, detailreich und mit liebevollen Extras wie Führerstand und Sound ausgestattet – ideal für realistische Dampf-Fahrten in MSTS oder OpenRails.

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Aus dem Archiv

DB Museum Koblenz – Stars und Arbeiterinnen

Draußen, im hinteren Aussengelände des DB Museums Koblenz begrüßen uns am Tag der Schiene 2025 zwei Stars:

Der elegante VT 11.5, einst als Trans-Europ-Express (TEE) unterwegs auf den internationalen Strecken wie Frankfurt – Zürich.

Die stromlinienförmige E03 001, die in den sechziger Jahren mit ihrem rot-beigen Anstrich das Gesicht der neuen Intercity-Ära prägte.

Sie stehen da wie Schauspieler im Scheinwerferlicht, Symbole für Geschwindigkeit, Prestige und den Glanz des Schienenverkehrs, als Bahnfahren noch ein Hauch von Luxus war.

Doch wer vom Außengelände weitergeht, verlässt diese Welt des Glamours. Vorbei an der Bayerischen R3/3, auch als Baureihe 89.8 bekannt, die hier unter freiem Himmel ihren Platz gefunden hat.

Die kleine Rangierlok, gebaut in den Jahren 1906 bis 1923 bei der Firma Krauss in München, war nie für große Auftritte gedacht, sondern für die schweren, unsichtbaren Dienste in Bahnhöfen wie Regensburg, Weiden, Passau oder Hof. Bis zu ihrer Ausmusterung 1964 verschob sie Wagen, stellte Züge bereit und erledigte all die Arbeiten, die im Schatten der Schnellzugstars unverzichtbar waren.

Und dann, in der Halle, steht die Preußische T3, offiziell als Baureihe 89.70 bezeichnet, wurde ab 1882 von verschiedenen Herstellern gebaut. Sie wirkt gedrungen, fast bescheiden – und gerade das machte sie zu einer unverzichtbaren Helferin auf kleinen Bahnhöfen und Nebenstrecken. Ihre 40 km/h reichten völlig, um Güterwagen zu sortieren und kurze Züge zu bewegen.

1960 wurde die im Museum stehende Lok ausgemustert, diente danach noch als Spielplatzlok im Kölner Zoo und fand schließlich zurück ins Museumsleben.

Heute zeigt sie sich in Koblenz gepflegt und in Würde – eine kleine Lok mit einer großen Geschichte, die daran erinnert, dass nicht nur die Stars der Schiene, sondern auch die stillen Arbeiterinnen den Alltag der Eisenbahn geprägt haben.

Im Video Tag der Schiene 2025 im DB Museum Koblenz – Teil 5 sind die Preußische T3 und die Bayerische R3/3 zu sehen, mit vielen Eindrücken aus dem Museumsgelände.

Ein weiterer kleiner Einblick in die Vielfalt der Ausstellung – in nächster Zeit werden weitere Videos folgen.

Alle Videos Tag der Schiene 2025 im DB Museum Koblenz

Aufbruch am Rhein – Die Mallet erwacht

„Die Fahrtkarten bitte!“ Wer hier an Bord steigt, tritt nicht nur eine Reise durch ein wunderschönes Tal an, sondern auch durch die Zeit. Die Fahrkarten für einen entdeckungsreichen Tag liegen bereit.

Der Morgen legt noch feinen Nebel über den Rhein, als im Bahnhof Brohl-Lützing ein leises Zischen durch die kühle Luft schneidet. Es ist kein alltägliches Geräusch – es ist das Signal einer Reise, die weit mehr verspricht als bloß eine Fahrt auf Schienen.

Hier, wo sich das Wasser des Stroms und die Basaltfelsen der Vulkaneifel begegnen, beginnt das Abenteuer der Brohltalbahn, von Einheimischen liebevoll „Vulkan-Express1) genannt.

Brohltalfahrkarte

Seit 1901 windet sich diese meterspurige Schmalspurbahn durch das Tal des Brohlbachs hinauf in die Eifel. Nur 17,5 Kilometer misst ihre Strecke, doch jede Kurve birgt Geschichte: Einst als Transportweg für Basalt und Tuffstein gebaut, trägt sie heute Besucher auf einer Zeitreise zwischen Fluss und Vulkanen.

Karte Streckenverlauf Brohltal-Schmalspureisenbahn
Mallet Brohltalbahn 11sm Saint-Valery-Canal 2021-a

Mitten im Blickpunkt steht an diesem Vormittag eine ganz besondere Protagonistin: Dampflokomotive 11sm, eine Mallet-Lok aus dem Jahr 1906. Ihr Name wirkt nüchtern, doch vor dem ersten Schlag der Kolben pulsiert eine stille Kraft, die gleich in Bewegung erwacht.

Auf dem Gleis gegenüber stehen Reisende – einige lehnen neugierig über die niedrigen Bahnsteige, andere heben bereits ihre Kameras. Ein dumpfes Rumpeln kündigt den Beginn der Vorbereitung an: Die dunkelgrüne Lok wird mit Kohle befüllt, Stück für Stück verschwindet der glänzende Brennstoff im Bunker. Ein kurzer Windstoß treibt Kohlestaub in die Sonne – das Licht bricht sich in schwebenden Partikeln, als hätte jemand Sternenstaub über den Tender gestreut.

Kurz darauf öffnet sich der Wasserkrahn wie ein Arm, der der Maschine ein Lebenselixier reicht. Mit einem Schwall strömt das klare Nass in den Durst des Kessels, begleitet von einem dumpfen Gluckern. Die Luft riecht nach feuchtem Metall, Rauch und Erwartung.

Langsam wird die Lok an die wartenden Wagen herangeführt und angekuppelt – Lok und Zug sind nun eins, bereit für den Aufstieg in die Eifel.

Ein schriller Pfiff durchschneidet die Szene. Köpfe wenden sich, Kinder heben die Arme, als wollten sie mitwinken. Die 11sm antwortet mit einem kräftigen Ausstoß weißen Dampfes, der sich wie ein Banner über den Bahnsteig legt. Minuten später setzt sich der Zug in Bewegung, ruckend, dann fließend – die Räder greifen, und mit jedem Schlag der Zylinder rückt die Landschaft des Brohltals näher.

1) Website „Vulkan-Express“ https://www.vulkan-express.de/