Magazin Gespräche unter Freunden

Trete ein und lausche zwei Beoachtern des Alltags.

Motte und Rabe! In ihrer eigenen, humorvollen Magazin-Reihe nehmen uns die beiden jungen Freunde mit in ihre Welt voller Neugier, Schabernack und kluger Gedanken.

Ob auf dem Heimweg von der Schule, beim Fachsimpeln über die neuesten Errungenschaften der Modellflieger oder bei Entdeckungen in der heimischen Garage.

Motte und Rabe haben zu allem etwas zu sagen und damit sind sie ja wohl nicht alleine. Während Motte die Dinge gerne mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und strukturiertem Optimismus anpackt, kontert Rabe wunderbar lässig und pragmatisch.

Ihre unterhaltsamen, pointierten Gespräche schlagen dabei immer wieder eine Brücke zum aktuellen Zeitgeschehen und den kleinen wie großen Fragen des Lebens. Mit viel Witz, Charme und einer erfrischenden Prise jugendlicher Logik bringen uns die beiden nicht nur zum Schmunzeln, sondern regen auch zum Nachdenken an. Ein humorvoller Blick auf die Welt, der zeigt, was echte Freundschaft ausmacht – direkt hier im Magazin von Der Sternfahrer.

Neueste Gespräche

Wer ist eigentlich der liebe Jung?

Aus der Reihe Gespräche unter Freunden

Das vertraute, monotone Summen der Elektromotoren vibriert unter unseren Füßen, während der Regionalexpress uns im Abendlicht vom Bahnhof Rheinhausen wegträgt. Motte und Rabe sitzen in den blauen Polstersitzen des modernen Doppelstockwagens. Draußen zieht die Industriekulisse des Ruhrgebiets vorbei, während der Zug über die Duisburger Rheinbrücke saust. Erst als sie den Duisburger Hauptbahnhof hinter sich lassen und der Zug Fahrt in Richtung Köln aufnimmt, dreht sich Rabe abrupt zu Motte um. Seine Stimme klingt ungewohnt ernst gegen das leise Rauschen der Klimaanlage.

„Weißt du, Motte“, bricht er das Schweigen. „Diese ganze Geschichte vorhin am Deich… das mit dem Mai Out-Festival, den Rockstars und vor allem die Sache mit der Gaststätte Schumachers. Das lässt mich einfach nicht los. Als du von deiner Zeit als Kegeljunge erzählt hast, da hast du nicht einfach nur eine Anekdote rausgehauen. Da war so ein ganz eigenes Leuchten in deinen Augen.“

Motte rückt seine Tasche auf dem Schoß zurecht und muss schmunzeln, während draußen die Lichter der Bahnhöfe im Vorbeifahren verschwimmen. Es hat wohl einiges in mir losgetreten. Als wir am Werthschen Hof standen, war das für mich, als hätte ich nach Jahrzehnten eine alte Kiste im Keller geöffnet. „Der Junge, der da im Staub am Ende der Kegelbahn stand und die schweren Holzkugeln zurückgerollt hat… das war keine Figur in einer Chronik. Das war ich.“

„Genau das ist es ja!“, hakt Rabe fasziniert nach und beugt sich im sanften Wiegen des Waggons zu Motte vor. „In unseren ‚Gesprächen unter Freunden‘ philosophieren wir meistens über die Welt, fliegen über die Dinge hinweg oder schauen uns die Geschichte von außen an. Aber das vorhin, das war echt. Ungefiltert. Ich will verdammt noch mal mehr davon hören! Wie war das damals wirklich, am Niederrhein aufzuwachsen? Wer warst du, bevor du zu dem Motte wurdest, den ich heute kenne?“

Später, beim Umsteigen im hell erleuchteten, geschäftigen Kölner Hauptbahnhof, jagen Motte die Gedanken weiter nach. Als die beiden schließlich in der S-Bahn Richtung Hennef sitzen und die Lichter des Doms hinter sich lassen, zieht die Nostalgie immer tiefere Kreise in Mottes Brust. Es liegt noch so viel mehr da hinten in der Vergangenheit. Die Kindheit, die Jahre vor dem großen Rock-Trubel… es war eine ganz andere Welt. „Meine Mutter hat mich damals oft so genannt, wenn ich mal wieder mit aufgeschlagenen Knien, staubigen Händen und voller Flausen im Kopf nach Hause kam. Aber nicht nur sie – bei allen Verwandten, ob bei Tanten, Onkeln oder Großeltern, war ich über Jahre hinweg einfach immer nur der liebe Jung.“

„Der liebe Jung…“, spricht Rabe den Namen leise nach, während die S-Bahn beschleunigt und dem Siegtal entgegenstrebt. Er blickt versonnen aus dem Fenster, wo die Konturen der Heimat langsam im Dunkeln auftauchen. „Das ist es. Genau so musst du es erzählen. Vergiss für einen Moment unsere Dialoge, vergiss die Maske des Beobachters. Erzähle, schlüpf ganz tief rein in diesen Jungen von damals. Erzähle – so, dass ich den Staub der Kegelbahn riechen kann.“

Als der Zug schließlich mit einem leisen Zischen der Bremsen im Bahnhof Hennef einläuft, blickt Motte hinaus auf den modernen, vertrauten Bahnsteig. Doch der Blick geht viel weiter zurück, dorthin, wo die Erinnerungen darauf warten, endlich geweckt zu werden. Ein befreites Lächeln legt sich auf mein Gesicht. Rabe hat recht. „Es ist an der Zeit. Ich werde meine Geschichte so erzählen, wie sie sich damals angefangen hat anzufühlen. Ganz von vorn.“

„Und wo ist ganz von vorn?“, fragt Rabe ungeduldig, während wir unsere Taschen greifen und durch die automatischen Schiebetüren auf den Bahnsteig treten.

Ich trete hinaus in die kühle Hennefer Nachtluft, atme tief ein und bin ganz bei mir selbst. „Es beginnt an einem Tag, den ich selbst nur aus den warmen, leisen Erzählungen meiner Mutter kenne. Ein Tag voller Hoffnung und dem süßen Duft von frischem Frühlingserwachen… Ostermontag 1953, in Xanten.“

Rabe grinst, klopft mir auf die Schulter und geht den Bahnsteig hinunter. „Dann leg los, lieber Jung. Ich bin ganz Ohr.“

Hier endet die Reihe „Gespräche unter Freunden“ für diesen Moment und macht Platz für eine ganz persönliche Zeitreise„Der liebe Jung“

Aus dem Archiv

Motte und Rabe – FlyBuggy Desert Storm

Rabe – FlyBuggy Desert Storm – Ein Gespräch unter Freunden #71

„Du Rabe?“ „Lass mich!“

„Warum?“ „Jetzt ist es vorbei.“

„Der Krieg in der Ukraine und all die anderen Kriege?“ „Das wäre toll Motte: Frieden auf der Welt.“

„Was ist denn vorbei?“ „Na, der Karneval. Mein Onkel Wilhelm ist heute in die Küche gekommen und hat gesungen: Am Aschermittwoch ist alles vorbei.1) Das Liedchen ist von Jupp Schmitz“ „Ja und. Ist der auch Montagsflieger?“ „Nein.“

„Jetzt haben wir dann auch noch Fastenzeit, d.h. für die nächsten Wochen keine Schokolade, keine Gummibärchen, keine Leckereien mehr.“ „Rabe, unsere Süßigkeiten werden doch dann schlecht, wenn wir die jetzt nicht mehr essen dürfen.“ „Motte, da hast Du unbedingt recht. Wir sollten die sofort essen, bevor sie uns noch einer abnimmt. Man soll doch keine Lebensmittel wegwerfen. Das sind Lebensmittel, Mittel zum Leben, um zu überleben.“

„Hier Rabe, greif zu. Ich habe noch ein paar Gummibärchen, die lassen wir uns noch gemeinsam gut schmecken und dann fangen wir an zu fasten.“ „Danke. Du kannst es ja später Deinem Herrn Pastor beichten. Der wird Dir vergeben.“

„Du Rabe, der Saharastaub ist wieder zu uns unterwegs.“ „Wer hat Dir das denn erzählt?“ „Ich war in Sommerhausen, da war auch ein Montagsflieger mit seinem FlyBuggy.“ „Ach.“

„Ich meine, ich hätte den Saharastaub dort auch schon ganz leicht in der Luft gesehen und gespürt. Hier schau, vielleicht siehst Du ihn auch Rabe. Wir hatten leichten Südwind. Die Sonne schien. Den Nachmittag haben wir ohne Jacken verbracht.

Der FlyBuggy war unser Desert Storm am letzten Karnvevalstag in diesem Jahr, am Veilchendienstag.“



1) Youtube-Video im neuen Fenster Jupp Schmitz – Am Aschermittwoch ist alles vorbei 1978

Motte und Rabe – Im Siebengebirge gibt es auch Modellflieger

Motte und Rabe – Im Siebengebirge gibt es auch Modellflieger – ein Gespräch unter Freunden #30

„Na Kleiner, hast Du mit Deinem Vater am Wochende wieder eine Radtour gemacht?“ „Nein Rabe, wir sind mit dem Bus ins Siebengebirge gefahren, bis nach Königswinter und zum Drachenfels, bis nach ganz oben waren wir.“

„Gibt es denn da noch den Drachen Motte?“ „Nein, den habe ich nicht gesehen Rabe, aber wir waren in seiner Burg.“


„Und wie bist Du mit Deinen kurzen Beinen auf den Felsen gekommen, geklettert?“ „Rabe, wir sind mit der Bahn gefahren, mit der Zahnradbahn, unten von Königswinter am Rhein, ganz gemütlich durch die Wiesen und Weinberge bis nach ganz oben, da ist ein kleiner Bahnhof, eine Endstation.“ „Und was kann man da sehen, außer keinen Drachen?“

Fotoquellen 1)

Rabe, da kann man ganz weit gucken, über das Rheintal, sogar bis nach Köln. Den Kölner Dom habe ich gesehen und die Heinzelmmännchen.“

„Quatsch. Ja und dann?“ „Dann haben wir uns auf der Terrasse erst einmal erholt, die Aussicht genossen und ein schönes Stückchen Kuchen gegesssen.“ „So wie im Wiesen-Café Zum Botterblömche bei unseren Freunden, den Montagsfliegern?“ „Ja, so ähnlich Rabe.

Mein Vater meinte noch, das machen wir jetzt öfter.“ „Was? Kuchen im Café essen?“ „Nein, einen Ausflug mit Bus und Bahn machen. Er hat schon das 9 €-Ticket für uns gekauft. Das ist neu. Für 9 € einen Monat in ganz Deutschland mit Bus und Bahn des Nahverkehrs.“ „Motte, da wird es wohl voll in Bus und Bahn.“

„Rabe, wir sind anschließend den Berg herunter gelaufen. Das ging recht flott. Auf dem Weg haben wir Esel gesehen. Mit denen kann man auch auf den Felsen, wenn man mal etwas Besonderes erleben möchte.“ „Sind die nicht störrisch und bleiben dauernd stehen?“ „Ich glaube nicht Rabe.“ „Motte, ich schon, man muss nur gut auf sie einreden, habe ich gehört. Und wenn man dann Glück hat, gehen sie, die Esel.“

Rabe, stell Dir mal vor, wir haben dann später auf unserem weiteren Ausflug durch das Siebengebirge auch noch einige Montagsflieger gesehen. Die fliegen da auch, bei der Modellflug-Gemeinschaft Siebengebirge e.V. am Hartenberg. Das sind Hangflieger, die fliegen da nur mit Segelflugzeugen. Jetzt bei dem miesen Wetter und dem starken Wind geht dass sogar besonders gut. Hier schau Dir selbst den Robert an, wie der fliegt; bei dem geht es recht flott zu.“

Motte, Du kennst doch bestimmt die Geschichte vom Struwwelpeter, da gibt es auch einen Robert. Die hat mir mein Onkel Wilhelm früher immer gerne vorgelesen, wenn meine Mutter und ihre Freundin Brigitte abends im Tanzkaffee waren .“

„Ja Rabe, die Geschichte kenne ich:

Wenn der Regen niederbraust,
Wenn der Sturm das Feld durchsaust,
Bleiben Mädchen oder Buben
Hübsch daheim in ihren Stuben. —
Robert aber dachte: Nein!
Das muß draußen herrlich sein!
2)


1) Fotoquellen Wikipedia Drachenfels (Siebengebirge)

  • Drachenfelsplateau – Wolkenkratzer – CC BY-SA 3.0
  • Drachenfels-Zahnradbahn – Aholtman – CC BY-SA 4.0
  • Heinzelmännchen-Diorama – Yoshi – CC BY-SA 3.0
  • Ausblick vom Drachenfels Richtung Süden, Bad Honnef – Kleuske – CC BY-SA 3.0

2) Der Struwwelpeter – Die Geschichte vom fliegenden Robert