Dein Magazin für Modellbau, Technik und Spielzeug
In der kleinen Welt der Technik erwacht die Leidenschaft für Details und das gemeinsame Hobby zum Leben! Ob zu Lande, zu Wasser, in der Luft oder auf Schienen: Tauch ein in unsere fünf großen Themenwelten, lass dich vom nostalgischen Retro-Charme inspirieren.
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Ein Sommer voller Wunder
Der Sommer 1954 sollte als eine Zeit in die Geschichte eingehen, in der die Menschen im ganzen Land nach den langen, dunklen Jahren wieder wagten, gemeinsam zu jubeln und zu träumen. Es war das Jahr, in dem das „Wunder von Bern“ Deutschland wie ein Paukenschlag aus der Nachkriegslethargie riss und ein ganz neues Wir-Gefühl entfachte. Doch während ganz Deutschland gebannt auf das Radio lauschte und den unerwarteten Weltmeistertitel feierte, vollzog sich in meinem eigenen kleinen Leben in der Scharnstraße ein ganz persönliches Wunder: Ich hatte endlich laufen gelernt.
Mit dem neu gewonnenen Stolz auf zwei wackeligen Beinchen ging es am ersten Septemberwochenende hinaus auf die Straßen unserer Heimatstadt. Es war die traditionelle Zeit im Spätsommer, in der in Xanten das alljährliche Schützenfest der St. Viktor-Bruderschaft gefeiert wird – ein herrlicher, sonniger Tag. Doch mit gerade einmal gut einem Jahr konnte ich in der dicht gedrängten Menschenmenge am Straßenrand natürlich noch gar nichts sehen. Mein Vater und abwechselnd meine Mutter hielten mich deshalb fest auf dem Arm hoch über den Köpfen der anderen, damit ich freie Sicht hatte. Der durchdringende Takt der Trommeln und das helle Pfeifen vom Spielmannszug kündigten den Festzug schon von Weitem an, und wir jubelten den vorbeimarschierenden Schützen, an der Spitze die Fahnenschwenker und Reiter, begeistert zu. Doch am allermeisten faszinierte mich eine ganz besondere Truppe, deren Anblick sich tief in meine Kindheitserinnerungen einbrennen sollte. Es war meine erste, ehrfurchtsvolle Begegnung mit den Billekerls.
Die Billekerls bilden die geschichtsträchtigste Gruppe der Bruderschaft und sind bis heute das lebendige Bindeglied zur spätmittelalterlichen Stadtgeschichte Xantens. Ihr Name leitet sich vom niederrheinischen Wort „Bill“ für Beil ab. Historisch gehen sie auf die mittelalterliche Stadtwache und die Schöffen zurück, die einst für die Sicherheit des Magistrats sorgten und mit strengem Blick den Weg für den Festzug freimachten.

Das Erscheinungsbild dieser Gruppe folgte einem strengen, jahrhundertealten Reglement und bestand aus drei erwachsenen Männern und einer ganz besonderen Kinderfigur, die sofort meine gesamte Aufmerksamkeit fesselte. Die drei Billekerls vor mir wirkten wie Riesen aus einer anderen Zeit: Sie trugen lange, braune Gewänder, robuste Lederkoller, historische Eisenhauben und markante, lange Vollbärte. Auf ihren breiten Schultern trugen sie die namensgebenden, langstieligen Beile.
Doch der wahre Mittelpunkt dieses stolzen Zuges war der „kleine Viktor“, der mutig zwischen den drei Hünen schritt. Es war ein Junge, kaum älter als ich selbst, der in eine glänzende Rüstung gehüllt war – eine perfekte Miniatur-Ausgabe unseres großen Stadtpatrons. Er schritt dort voller Stolz und Würde, als lebendiges Symbol für den Schutz des jungen Glaubens und die Zukunft unserer Stiftsstadt. Mit ernster, steinerner Miene hielten die bärtigen Männer an der absoluten Spitze des Zuges die Wacht, während der kleine Ritter im Sonnenschein strahlte.
Besonders in jenen 1950er-Jahren besaß das Auftreten dieser Gruppe eine tiefe, fast greifbare emotionale Bedeutung für die Xantener Bevölkerung. Die Stadt trug noch immer die sichtbaren Wunden des Krieges, und der mühsame Wiederaufbau war in vollem Gange. Als die Bruderschaft ihre Feste reaktivierte und die Billekerls mit ihrem kleinen Patron wieder durch die Straßen zogen, waren sie für die Menschen weit mehr als nur ein folkloristischer Programmpunkt. Sie wurden für meine Eltern, die Nachbarn und alle Xantener zu einem mächtigen Symbol für Kontinuität, für Heimat und den ungebrochenen Lebenswillen einer zerstörten Stadt, die sich Schritt für Schritt ihre Identität zurückholte.
Dass wir so weit vorne an der Strecke standen, war ohnehin kein Zufall, denn meine Eltern kannten unheimlich viele derer, die dort in Reih und Glied an uns vorbeizogen. Mein Vater Franz war selbst leidenschaftlicher Musiker im Spielmannszug der Bruderschaft; er spielte dort seit Langem zusammen mit Willy, dem Bruder meiner Mutter, die Querflöte. Weil er an diesem Tag aber für mich und meine Mutter Addy an den Straßenrand gewechselt war, ließen es sich seine Vereinskameraden nicht nehmen, uns gebührend zu feiern. Immer wieder blieben einzelne Musiker und Schützen mitten aus dem laufenden Zug kurz vor uns stehen, unterbrachen für einen Moment den starren Marschrhythmus, um Addy und Franz herzlich zu begrüßen, und wandten sich dann mit einem breiten, stolzen Strahlen mir da oben auf dem Arm zu.
Ich blickte mit großen, staunenden Kinderaugen auf all das bunte Geschehen hinab. Ich war von diesem majestätischen Jungen in seiner glänzenden Rüstung so fasziniert, dass ich den Blick kaum von ihm abwenden konnte. In diesem Moment flüsterte mir meine Mutter leise ins Ohr, dass ich – wer weiß – vielleicht ja auch eines Tages dort vorne als der „kleine Viktor“ im glänzenden Harnisch an der Spitze des Zuges gehen dürfte.
Getragen von der Liebe meiner Eltern, inmitten der vertrauten Gesichter des Spielmannszuges und hoch erhoben über der Menge, blickte ich dem kleinen Ritter und seinen großen Begleitern nach – ein kleiner Junge, der gerade erst laufen gelernt hatte, inmitten einer Stadt, die wieder aufrecht zu gehen begann.
Aus dem Archiv
Graupner Kadett – Retro Eigennachbau
Retro-Eigennachbau hebt wieder ab – Nach vielen Jahren hat Montagsflieger endlich wieder seinen Kadett aus der Garage geholt – und nein, nicht das Auto, sondern seinen liebevoll gebauten Eigennachbau des legendären Graupner Kadett von 1956.
Dieses ikonische Modellflugzeug aus den 50er Jahren steht für pure Nostalgie und echtes Handwerk.
Im neuen Video könnt ihr sehen, wie der Retro-Flieger in originalgetreuer Optik wieder majestätisch in die Luft steigt.
Ein paar Erinnerungen, ein Entschluß, ein Bauplan, Balsa- und Sperrholz, ein paar Klein- und Elektronikteile aus der Bastelkiste, Zeit, Muße und der Kadett ist fertig – aus eigener Hand von Montagsflieger Bernd geschaffen – er schreibt:
„Der Vogel entspricht zu ca. 90% dem Ur- Graupner- Kadett. Grundlage ist der Baukasten der Fa. Aeroplan aus Weilerswist. Zu den Modifikationen:
Die V- Form des Flügels wurde halbiert, um ein ruhigeres Flugverhalten zu erreichen. Mit der Original- V- Form wäre eine starke Tendenz zum Aufschaukeln beim Seitenrudereinsatz zu befürchten gewesen.
Die Endleiste des Höhenleitwerks wurde auf 25mm Tiefe verbreitert (die Rippen an der Hinterkante dementsprechend um 5mm gekürzt). Nach dem Bespannen und Spannlackieren […]“




