Dein Magazin für Modellbau, Technik und Spielzeug
In der kleinen Welt der Technik erwacht die Leidenschaft für Details und das gemeinsame Hobby zum Leben! Ob zu Lande, zu Wasser, in der Luft oder auf Schienen: Tauch ein in unsere fünf großen Themenwelten, lass dich vom nostalgischen Retro-Charme inspirieren.
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Schienen zum Glück
An diesem Ostermontag 1953, während draußen die Menschen das feierliche Hochamt im Xantener Dom besuchen und die festlichen Gesänge durch die Straßen hallen, herrscht in der kleinen Dachgeschosswohnung eine ganz eigene, tiefe Stille. Die beiden glücklichen und stolzen Eltern stehen unter den Schrägen ihres kleinen Reichs und lächeln voller Liebe ihr neugeborenes Kind an. In diesem innigen Moment des ruhigen Glücks lassen sie den Blick zurückschweifen und erinnern sich dankbar daran, wie sie in jener entbehrungsreichen Zeit überhaupt erst zueinander gefunden haben.
Der Schauplatz ihres Kennenlernens war die tägliche Pendelstrecke zwischen Xanten und Kleve. Franz, ein strebsamer junger Mann, hatte seine Ausbildungsstelle als angehender Lokführer bei der Bundesbahn in Kleve angetreten. Tag für Tag saß er in den Waggons, die ihn zu den rauchenden Dampfloks und den harten Schichten seines Lehrbetriebs brachten. Auf derselben Strecke war auch Addy unterwegs. Sie arbeitete als Näherin bei der bekannten Firma Elefanten-Schuhe in Kleve, wo sie mit geschickten Händen das zähe Leder für die Kinderschuhe der Wirtschaftswunderjahre in Form brachte.

Man traf sich auf dem Bahnsteig, stieg in denselben Zug, später in dieselben Abteile, und es kam, wie es kommen musste: Erst waren es flüchtige Blicke über die hochgeschlagenen Mäntel hinweg, dann ein erstes schüchternes Lächeln im Takt der ratternden Schienen. Schon bald suchte man gezielt nach dem anderen, saß in der Bahn zusammen und verhalf den langen Fahrten zu einer ganz neuen Leichtigkeit. Aus den ersten vorsichtigen Worten wurden tiefe Gespräche, und je besser sie sich kennenlernten, desto mehr verschmolzen ihre spärlichen Freizeitstunden zu gemeinsamen Momenten. Sie gingen zusammen auf die Kirmes, besuchten das Schützenfest der St.-Viktor-Bruderschaft mit seinen ausgelassenen Tanzabenden, spazierten durch die niederrheinische Landschaft, teilten ihre Sorgen und begannen fest an ein gemeinsames Leben zu glauben.
Dabei war das Leben für beide damals alles andere als einfach; es war geprägt von Entbehrungen und Pflichten, die auf ihren jungen Schultern lasteten. Addy hatte bereits mit 14 Jahren ihren Vater verloren. Für sie bedeutete das Leben nicht nur die kräftezehrende Akkordarbeit als Näherin in Kleve, sondern auch die unbarmherzige Pflicht zu Hause. Nach der Heimkehr wartete die Mutter, der sie bei der Versorgung und Erziehung der vier jüngeren Geschwister unter die Arme greifen musste. Das Geld war in der großen Familie chronisch knapp, die Sorgen um das tägliche Brot oft erdrückend groß.
Auch Franz wusste, was harte Arbeit bedeutete. Wenn seine Schichten und die Ausbildung im fernen Kleve nach langen Stunden endlich getan waren, war für ihn noch lange nicht Feierabend. In seiner eigenen Familie wurde jede helfende Hand gebraucht: Franz packte ohne zu zögern beim kräftezehrenden Hausbau mit an, schleppte Steine, mischte Mörtel und schuftete bis in die späten Abendstunden.
Es war eine Zeit, in der man sich das Glück nicht einfach kaufen konnte – man musste es sich im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten. Doch zwischen den Sorgen des Alltags, den staubigen Baustellen und den ratternden Zügen der Bundesbahn wuchs ein Band, das allen Widerständen trotzte. Es war der feste Glaube an eine gemeinsame Zukunft, der sie durchhalten ließ – ein Traum, der genau hier und heute, unterm Dach des zukünftigen „Taubenschlags“, in den Kissen des kleinen Wäschekorbs vor ihnen lag.
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