Modellbahn Tagebuch

Ein leiser Hauch von schwerem Öl und heißem Ruß liegt in der Luft, getragen vom bittersüßen Duft verglimmender Kohle. Schließe für einen Moment die Augen und lausche dem Erwachen einer eigenen kleinen Welt: Das rhythmische, feine Klicken der Relais gibt den Takt vor, gefolgt vom vertrauten, tiefen Rollen stählerner Räder auf filigranen Gleisen. Weiße Dampfwolken steigen empor und hüllen die detailverliebte Landschaft in nostalgische Poesie. Jedes Signal, jeder Waggon und jeder Schienenstoß erzählt eine Geschichte von Sehnsucht, Präzision und dem großen Zauber im Miniaturformat.

Komme an Bord und begleite uns auf den Spuren der Schienenwege:

Neuester Beitrag

„Irgendwo“ – Das Maintor

Es gibt Orte, die tragen ihr Versprechen schon im Namen. Irgendwo ist so einer. Kein Punkt auf der Landkarte, sondern ein Zustand – zwischen Erinnerung und Modellbau, zwischen Maßstab und Gefühl. Und nun ist ein weiteres historisches Gebäude gewachsen.

Still erhebt es sich, massiv und zugleich einladend: das Maintor. Sein Vorbild steht seit Jahrhunderten in Sommerhausen am Main, einem kleinen, romantischen Weinort, dessen Stadtmauer den Ort noch immer wie ein schützender Arm umschließt.

In diese Mauer sind mehrere Türme integriert – stumme Wächter der Geschichte.

Für viele der Älteren ist vor allem der Rote Turm unvergessen: Drehort des Films „Vater sein dagegen sehr“ (1957) mit Marianne Koch und Heinz Rühmann. Ein Stück deutscher Filmgeschichte, eingefroren in Stein.

Doch das Maintor ist mehr als ein historisches Bauwerk. Es ist Teil der eigenen Erinnerung. Ein Besuch in Sommerhausen vor mehr als dreißig Jahren hat sich unauslöschlich eingeprägt – Tage, die im Turm selbst verbracht wurden, in seinen Räumen, auf seinen Ebenen. Tage zwischen dicken Mauern und weitem Blick, zwischen Stille und dem leisen Geräusch des Mains. Diese persönliche Erfahrung macht das Tor zu mehr als einem Motiv: Es wird zum inneren Ankerpunkt, zu einem Ort, der immer wieder aufgesucht wird – nun auch im Modell.

Wer Sommerhausen mit dem Schiff erreicht, kennt diesen Weg: Anlegen am Main, ein kurzer Fußmarsch, dann steht man davor. Links der kleine Anbau – einst das Zollhaus, in dem Waren und Wege kontrolliert wurden. Geradeaus das Tor, das den Übergang markiert: vom Fluss in den Ort, vom Unterwegssein ins Ankommen.

Tritt man hindurch und wendet sich noch einmal um, entdeckt man rechts die überdachte, hölzerne Treppe. Sie schmiegt sich an den Turm, führt hinauf zu zwei kleinen Räumen auf zwei Ebenen.

Wer das Glück hat, den heutigen Turmbewohner besuchen zu dürfen, wird belohnt mit einem Blick über Sommerhausen, über die Dächer, Reben und den träge fließenden Main. Romantik pur – unverstellt, zeitlos.

All das findet sich nun wieder in Irgendwo. Im Maßstab 1:87 (H0) ist das Maintor neu entstanden – nicht als exakte Kopie, sondern als erzählende Annäherung. Mit Fusion 360 digital konstruiert, mit eigener Hand gebaut in Mischtechnik, Schicht für Schicht, Material für Material:

  • 5 mm Schaumstoff bilden die Wände – leicht, aber formstabil
  • 1,2 mm Karton sorgt für feine Kanten und Details
  • 1,2 mm Balsaholz trägt die hölzerne Treppe, ihre Konstruktion und die Giebelverkleidungen
  • feine Wellpappe deckt die Dächer und lässt Ziegelstruktur erahnen
  • die Fenster entstanden im 3D-Druck, klein, präzise, charaktervoll

Verklebt wurde alles mit Weißleim, die Fenster erhielten Halt mit UHU Por. Die Farbgebung erzählt ihre eigene Geschichte: Airbrushfarben von Vallejo, ergänzt durch wasserlösliche Acrylfarben aus dem Bastelbedarf, stark verdünnt, lasierend in mehreren Schichten aufgetragen. Keine deckenden Flächen, sondern Patina. Zeit, die sich absetzt. Regen, Sonne, Jahrhunderte. Das Foto zeigt das Modell in zwei Seitenansichten.

Es offenbart die Massivität des Turms, den bescheidenen Zollhausanbau, die schräg ansteigende Holztreppe, die schützende Stadtmauer. Und irgendwo darunter: ein Fahrzeug, klein wie ein Gedanke – ein Hinweis auf Maßstab und Bewegung.

So ist das Maintor nun gebaut, vielleicht um Teil von Irgendwo zu werden. Ein Übergangsort. Ein Schwellenbauwerk. Nicht nur zwischen Main und Markt, sondern zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Erlebtem und Gebautem. Und vielleicht – ganz leise – auch zwischen dem, was einmal war, und dem, was im Modell weiterlebt.

Aus dem Archiv

DB Museum Koblenz – Köf 322 641-2 & E-Lok 110

Dieser zweite Beitrag vom Tag der Schiene im DB Museum Koblenz am 20., 21. September 2025 erzählt von einer kleinen Rangiergeschichte – und zeigt, wie viel Eisenbahnhistorie manchmal in einer einzigen Szene steckt.

Zuerst setzt sich „Roberta“, die unscheinbare Köf 322 641-2 in Bewegung. Sie wurde 1954 bei Gmeinder in Mosbach gebaut, ausgeliefert als Köf 6186 und später als 322 641-2 geführt. Jahrzehntelang arbeitete sie vor allem in Tübingen, stellte Züge zusammen, rangierte Wagen und brachte große Loks in Position. 1987 wurde sie ausgemustert, überlebte aber bei verschiedenen Einsatzstellen und gelangte schließlich ins DB Museum.

Im Film fährt sie von der Drehscheibe auf ein Abstellgleis, wo eine weit größere Maschine wartet: die E-Lok 110 152-6.

Diese Lok wurde 1956 als E 10 152 von Krauss-Maffei (mechanischer Teil) und Siemens-Schuckert (elektrischer Teil) gebaut. Über Jahrzehnte war sie im hochwertigen Reisezugdienst unverzichtbar, stationiert unter anderem in Offenburg, Heidelberg und Köln. 2009 wurde sie z-gestellt, seit 2014 ist sie als Museumslok in Koblenz erhalten – betreut vom Verein Baureihe E10 e.V.

Die Szene im Video hat Symbolkraft: Die kleine Köf kuppelt an die mächtige Schnellzuglok und zieht sie mit erstaunlicher Kraft zurück auf die Drehscheibe.

Zentimeter für Zentimeter rücken beide ins Zentrum, begleitet vom Klicken der Kameras und staunenden Blicken der Besucher.

Der „kleine Helfer“ bringt den „großen Star“ noch einmal ganz groß heraus – Eisenbahngeschichte zum Anfassen.

Und es lohnt sich, dranzubleiben: In nächster Zeit folgen weitere Videos aus Koblenz, die andere Lokomotiven, die Spur-1-Anlage und viele besondere Momente des Wochenendes festhalten. Ein digitaler Nachschlag für alle, die die Atmosphäre des Fests noch einmal erleben möchten.

Alle Videos Tag der Schiene 2025 im DB Museum Koblenz

Intermodellbau 2026 – Nase am Schaufenster

Besuch der Intermodellbau 2026 – Teil 1

Schon beim Betreten der Hallen wird deutlich: Die INTERMODELLBAU 2026 in Dortmund ist sehr gut besucht. Dichte Besucherströme ziehen durch die Gänge, vielerorts herrscht reges Gedränge – besonders dort, wo sich etwas bewegt. Vor den Funktionsmodellen bleiben die Menschen stehen, Kameras werden gezückt, Gespräche entstehen. Doch am größten ist der Andrang traditionell im Bereich der Eisenbahnen: Hier drängen sich die Besucher dicht an dicht, um keinen Zug, kein Detail und keine Szene zu verpassen.

Zwischen Flugmodellen, RC-Fahrzeugen und detailverliebten Dioramen spricht mich ein Stand besonders an: Schaufensteranlagen der Firma Märklin. Schnell entwickelt sich ein interessantes Gespräch, das mich in meine Kindheit zurückwirft und an schöne, unbeschwerte Kindertage erinnern lässt. Der Stand macht neugierig und verlockt zu mehr, zu einem Besuch des Museums Spielzeugeisenbahnen im Schaufenster.


Der Zauber der Schaufensteranlagen

Bevor Modelleisenbahnen zum festen Bestandteil vieler Hobbykeller wurden, waren sie vor allem eines: Blickfänger in den Schaufenstern von Spielwarengeschäften. Aufwendig gestaltete Anlagen, oft von Herstellern wie Märklin oder Faller eigens produziert, sollten Kundinnen und Kunden begeistern – besonders in der Weihnachtszeit.

Viele dieser Spielwarengeschäfte, vor deren Fenstern Generationen mit leuchtenden Augen standen, sind heute verschwunden. Stattdessen wird am Bildschirm geklickt, gewischt und bestellt – möglichst schnell, möglichst billig. Man freut sich, ein Produkt irgendwo besonders günstig „geschossen“ zu haben, oft ohne einen einzigen Gedanken daran, woher es kommt – und ohne jemals ein Gespräch geführt oder einen Menschen dabei kennengelernt zu haben. Der Zauber des Schaufensters, das Staunen, das persönliche Gespräch: all das lässt sich nicht digitalisieren.

Genau diesem besonderen Kapitel der Modellbahngeschichte widmet sich das Museum Spielzeugeisenbahnen im Schaufenster. Dort stehen nicht moderne Anlagen im Mittelpunkt, sondern originale Werks- und Schaufensteranlagen aus den 1950er und 1960er Jahren – ergänzt durch Exponate aus dem „goldenen Zeitalter“ der Spielzeugeisenbahn von etwa 1900 bis in die 1980er Jahre.

Diese Anlagen wurden ursprünglich nicht für den Verkauf produziert, sondern ausschließlich als Werbemittel eingesetzt. Viele von ihnen wurden nach der Saison zerstört – umso bemerkenswerter ist es, dass heute überhaupt noch Exemplare existieren.


Ein lebendiges Museumskonzept

Was dieses Museum besonders macht: Die Exponate stehen nicht still. Während Führungen werden die historischen Anlagen im Betrieb vorgeführt, sodass Besucher die Technik und den Charme vergangener Jahrzehnte unmittelbar erleben können. Dabei entsteht eine Atmosphäre, die viele an ihre Kindheit erinnert – an das Staunen vor dem Spielzeugladen, an das berühmte „Nase-am-Schaufenster“-Gefühl. Genau diese emotionale Verbindung macht das Thema auch für die INTERMODELLBAU so spannend:

Die Messe zeigte nicht nur die Zukunft des Modellbaus, sondern schaffte gleichzeitig Raum für seine Geschichte, Herkunft und kulturelle Bedeutung.


Das Thema „Spielzeugeisenbahnen im Schaufenster“ fügte dieser Erlebniswelt auf der Intermodellbau eine besondere Dimension hinzu:

  • Es verbindet Technik mit Geschichte
  • Es zeigt die Ursprünge der Begeisterung für Modellbahnen
  • Es schlägt eine Brücke zwischen Sammlern, Modellbauern und Familien

Gerade in einer Zeit, in der moderne Technologien wie 3D-Druck und digitale Steuerungen den Modellbau prägen, wirken diese historischen Anlagen fast wie kleine Zeitkapseln – voller Charme, Handwerkskunst und Geschichten.

Schön dass es Menschen, hier eine Familie gibt, die mit viel Herzblut andere in diese längst vergangene Zeit mitnehmen und in ihrem Museum in

34549 Edertal-Gellerhausen, Violinenstr. 7,

www.historische-spielzeugeisenbahnen.de

willkommen heißen.