Magazin Reise um die Erde

Flugstunden für die Seele

Hast Du schon einmal davon geträumt, die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken und an Orte zu reisen, die Du so noch nie gesehen hast? Unsere Magazin-Reihe „Reise um die Erde“ macht genau das möglich – ganz ohne Kofferpacken!

Mit faszinierenden, detailreichen Videos, die direkt über Google Earth erstellt wurden, heben wir ab und nehmen Dich mit auf eine virtuelle Expedition rund um unseren wunderschönen Planeten. Wir steuern weltbekannte Sehenswürdigkeiten, verborgene Naturschätze und geschichtsträchtige Städte an. Dabei betrachten wir diese faszinierenden Orte aus einer ganz neuen Dimension: spektakulär aus der Luft.

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Reise um die Erde – Rothenburg ob der Tauber

Ein Traum aus dem Mittelalter – Wie eine Miniatur in einer alten Chronik lag es vor uns, Rothenburg ob der Tauber, hoch über dem lieblichen Taubertal. Unser fliegendes Fahrrad trug uns sanft über die Wiesen hinauf zur Stadt, die mit Mauern, Türmen und Dächern erschien, als sei die Zeit hier irgendwann stehen geblieben.

Im Herzen öffnete sich der Marktplatz, ein Bühnenraum aus Jahrhunderten: das Rathaus mit seiner stolzen Fassade und dem hohen Turm, von dem einst Wächter den Blick weit ins Land schweifen ließen. Gleich daneben erhob sich die Jakobskirche, ihr steinernes Gewand schlicht und doch erfüllt von geheimnisvollem Glanz, denn in ihrem Inneren birgt sie den berühmten Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider, ein Werk von stiller Erhabenheit.

Wir glitten tiefer hinab, bis wir vor dem wohl bekanntesten Bild der Stadt schwebten: dem Plönlein, jenem kleinen Platz, wo ein schiefes Fachwerkhaus zwischen zwei Toren thront, ein Bild, das wie eine Postkarte aus dem Mittelalter wirkt.

Von dort führte uns der Weg in den Burggarten, wo Rosen blühten und von der alten Stadtbefestigung der Blick weit hinaus ins Taubertal glitt – eine Landschaft von sanfter Schönheit, die sich wie ein grünes Tuch um den Felsen der Stadt schmiegte.

Doch Rothenburg bewahrt nicht nur das Schöne, auch das Strenge vergangener Zeiten: Im Mittelalterlichen Kriminalmuseum zeugen eiserne Masken, Pranger und Folterinstrumente von den dunklen Seiten der Geschichte, als Recht und Gerechtigkeit oft mit Schmerz und Strafe verbunden waren.

Wieder hinausgetragen an den Rand der Stadt, schwebten wir entlang der Stadtmauer, die sich mit Türmen und Wehrgängen wie ein geschlossener Ring um Rothenburg legt – ein steinernes Band, das seit Jahrhunderten seine Bürger schützt.

Unter uns leuchteten die roten Dächer, und für einen Moment war es, als hätten wir die Zeit selbst durchflogen: hinein in das Herz des Mittelalters, das hier noch immer schlägt.

Aus dem Archiv

Reise um die Erde – Belgien – Brügge

Das Venedig des Nordens – Wie aus einem Traum aus Wasser und Stein erhob sich vor uns Brügge, das stille Juwel Flanderns. Unser fliegendes Fahrrad glitt über Kanäle, die wie gläserne Adern die Stadt durchzogen, und spiegelte Giebel, Türme und Brücken in ihrem dunklen Wasser. Alles wirkte wie ein Gemälde aus einer fernen Zeit, als Händler und Seefahrer von hier aus in die Welt zogen.

Doch heute geschah etwas Besonderes: Ein weiteres Gefährt stieß zu uns – ein fliegendes Fahrrad mit einem Paraglider, dessen Schirm sich rot im Wind spannte wie ein zierliches Segel. Am Steuer saß ein Pilot, gekleidet im bunten Gewand eines Hofnarren, dessen Glöckchen leise klangen, wenn er eine Bewegung machte.

Mit einem schelmischen Lächeln zog er seine Bahnen über den Dächern, als wolle er die ganze Stadt mit fröhlichem Spott begrüßen. Brügge, dachte ich, hätte sich keinen besseren Gast erträumen können, denn hier, wo mittelalterliche Märkte und Feste einst den Alltag bestimmten, passte dieser närrische Begleiter wie eine Figur aus dem Bilderbuch.

Im Herzen der Stadt öffnete sich der Marktplatz, ein weiter Raum, gerahmt von farbenfrohen Fassaden. Der mächtige Belfried ragte hoch darüber, sein Glockenspiel ein Wächter über den Pulsschlag der Stadt. Von hier aus führte unser Blick in enge Gassen, vorbei an stillen Innenhöfen, wo Rosen rankten und Kopfsteinpflaster Geschichten flüsterten. Die Kanäle schimmerten wie Spiegel der Ewigkeit, und auf ihnen glitten Boote dahin, als wollten sie uns in die Seele Brügges hineintragen. Über eine Brücke gelangten wir zur Liebfrauenkirche, deren Turm stolz in den Himmel wies und deren Inneres das zarte Marmorbild einer Madonna von Michelangelo bewahrt – ein Schatz von unerwarteter Anmut.

Im Dämmerlicht folgten wir dem Wasser bis zum Beginenhof, wo weiße Häuser schweigend um einen grünen Hof standen, und weiter bis zu den Windmühlen, die sich am Rand der Stadt erhoben, als hielten sie seit Jahrhunderten still Wache.

Brügge war wie eine Melodie aus Stille und Wasser, aus Stein und Zeit – ein Ort, der nicht bloß besucht, sondern erträumt werden musste.

Und so zogen wir, begleitet vom heiteren Hofnarren mit seinem schillernden Segel, weiter über die Stadt hinaus, während unter uns die Kanäle wie goldene Fäden im Abendlicht leuchteten.

Reise um die Erde – Hangflug am Hartenberg

Frei nach Jules Vernes:

„Ein jeder, der sich der Wissenschaft, dem Fortschritt und der unermüdlichen Neugier des Geistes verschreibt, wird begreifen, welch köstlicher Reiz in der Betrachtung der Welt aus der Höhe liegt — nicht allein in Metern gemessen, sondern im Staunen, das den Horizont weit übersteigt!“

So begann unser Flug an einem jener klaren Tage, an denen die Lüfte selbst zu atmen scheinen. Das fliegende Velo erhob sich über das Tal des Rheins, sein Kurs gesetzt gen Süden – in Richtung der ehrwürdigen Stadt Königswinter, die sich malerisch an den Fuß des Siebengebirges schmiegt, wie ein schläfriger Kater an einen warmen Ofen.

Dort unten, am Hartenberg, versammelten sich jene kühnen Himmelsstürmer, die sich Hangflieger nennen – wackere Enthusiasten der Modellflugkunst, Mitglieder des angesehenen Vereins Modellfluggruppe Siebengebirge e.V.. Ihre Apparate, filigran wie Libellen und präzise gebaut wie die Werke eines Schweizer Uhrmachers, glitten mit anmutiger Eleganz über die windgetragenen Kanten des Hangs. Man hätte glauben können, es handle sich um mechanische Vögel, beseelt von einer unsichtbaren Kraft, die nur die kühnsten Erfinder zu entfachen wissen.

Während wir unsere Flugroute ein wenig justierten – ein sanftes Drehen des Steuerruders genügte –, trieb uns der Strom der Luft weiter gen Osten. Unter uns entfaltete sich das Örtchen Oberpleis, von dessen Dächern das Licht der Nachmittagssonne reflektierte wie von blank polierten Spiegeln. Im Zentrum, fest und ehrwürdig, erhob sich die Pfarrkirche Sankt Pankratius, ein Bollwerk des Glaubens und der Zeit. Bereits im 12. Jahrhundert gegründet und später im neoromanischen Stil erweitert, trotzt sie Wind und Wandel. Ihr Turm, mit fein behauenen Gesimsen und zierlichen Rundbogenfenstern, ragt wie ein Finger zum Himmel, als wollten sie uns Reisende grüßen.

So endete dieser kleine Abschnitt unserer Reise um die Erde – nicht im Sinne von Meilen oder Längengraden, sondern im Geiste der Entdeckung, der bewundernden Betrachtung und der nie endenden Sehnsucht, die Welt von oben zu erblicken.