Flugstunden für sie Seele
Hast Du schon einmal davon geträumt, die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken und an Orte zu reisen, die Du so noch nie gesehen hast? Unsere Magazin-Reihe „Reise um die Erde“ macht genau das möglich – ganz ohne Kofferpacken!
Mit faszinierenden, detailreichen Videos, die direkt über Google Earth erstellt wurden, heben wir ab und nehmen Dich mit auf eine virtuelle Expedition rund um unseren wunderschönen Planeten. Wir steuern weltbekannte Sehenswürdigkeiten, verborgene Naturschätze und geschichtsträchtige Städte an. Dabei betrachten wir diese faszinierenden Orte aus einer ganz neuen Dimension: spektakulär aus der Luft.
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Reise um die Erde – Salzburg
Die Alpen begleiteten uns weiter: als eisige Spur auf den Gipfeln, als Ahnung von Erhabenheit im weiten Blick. Das fliegende Fahrrad glitt, nun fast majestätisch, über weichere Höhenzüge hinweg – das Gras saftig, die Wälder tief, die Luft durchwirkt von ersten herbstlichen Noten. Dann – ein silberner Fluss, ein Kranz aus Türmen, eine steinerne Bühne inmitten von Bergen: Salzburg, die alte Erzbischofsstadt, ein Barockjuwel, aufgespannt zwischen Dom und Festung, zwischen Klang und Kontemplation.
Wir setzten zur Landung an – nicht auf einem Platz, sondern auf einer Terrasse nahe der Festung Hohensalzburg, jenem Bollwerk aus weißem Mauerwerk und dunklen Zinnen, das über der Stadt thront wie eine schlafende Wachtfigur aus der Romanik.²)
„Hier“, sagte mein Gefährte, als er sich aus dem Sitz erhob, „wurde nicht nur Geschichte verteidigt – hier wurde sie inszeniert.“
Von den Wehrgängen aus sahen wir die Kuppeln des Doms, glänzend wie emailliertes Kupfer, und darunter das Domquartier – eine Ordnung von Höfen, Galerien, Sälen, in denen sich Macht und Musik, Glaube und Geometrie begegnen. Der Dom selbst: ein Raum von strenger Pracht, das Licht fallend auf das Taufbecken, an dem ein Kind getauft wurde, das später als Wolfgangus Theophilus Mozart in die Ewigkeit eingehen sollte.³)

KI-generiert
Die Luft vibrierte. Nicht vom Lärm, sondern vom Echo – der stillen Erinnerung an Fugen, Sonaten, Kyrien. Wir folgten den verwinkelten Gassen talwärts, durch das Domviertel, das wie ein barockes Palimpsest wirkt – jedes Haus ein Satz, jeder Platz eine Pause, jeder Brunnen eine Fußnote der Zeit. Dann – wie durch ein verborgenes Portal – traten wir in die Getreidegasse ein. Enge, geschwungene Hausfassaden, eiserne Ladenschilder wie Notenschlüssel in Stein, und das Haus mit der Nummer 9: Mozarts Geburtshaus.
Ein schlichter gelber Bau, doch davor: eine unsichtbare Kuppel aus Bedeutung. Hier hatte das Wunder begonnen – nicht mit Pauken, sondern mit einem ersten, tastenden Griff auf den Tasten eines Clavichords.
Wir verweilten. Nicht aus Neugier, sondern aus Andacht. Und vielleicht, in diesem Moment, war es das erste Mal, dass unser Fahrrad sich nicht rührte. Als lauschte auch die Maschine.
„Mozart war kein Mensch der Erde“, sagte ich schließlich. „Er war ein Meteor, ein zärtlicher Zwischenfall zwischen Sternen.“
„Oder ein Bote“, erwiderte mein Gefährte, „der nicht den Himmel zeigen wollte – sondern ihn hörbar machen.“
Die Dämmerung fiel wie ein Vorhang. Wir stiegen wieder auf. Der Propeller erwachte mit einem zarten Klang, der wie ein gespielter Ton aus Eine kleine Nachtmusik durch die Gasse hallte.
Und so verließen wir Salzburg, getragen von Musik und Dämmerung, das Fahrrad nun weniger ein Fahrzeug als ein Instrument – auf dem wir weiterreisten, wie auf einer Partitur, deren letzter Takt noch nicht geschrieben war.
²) Festung Hohensalzburg, errichtet ab 1077, ausgebaut unter Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach (15. Jh.). Eine der größten vollständig erhaltenen Burganlagen Europas.
³) W. A. Mozart, geboren 27. Januar 1756, Salzburg, in der Getreidegasse 9; getauft im Salzburger Dom am Folgetag. Frühzeichen eines Genius, dessen Wirkung bis heute nachhallt.
Aus dem Archiv
Reise um die Erde – Meersburg am Bodensee
Die Dichterin und die Burg am See – Unser fliegendes Fahrrad zog seine Kreise über dem glitzernden Band des Bodensees, und bald tauchte vor uns die Stadt Meersburg auf, wie an die Hänge gemalt, die sanft zum Ufer hinabfallen. Weinberge kleideten die Hänge in sattes Grün, und dazwischen ragten Mauern und Türme auf: die Alte Burg, eine der ältesten bewohnten Burgen Deutschlands, ehrwürdig und zugleich lebendig, erster Bau im 7. Jahrhundert.
Der Hofnarr segelte mit seinem roten Paraglider knapp an den Zinnen entlang, ließ sich von der Thermik tragen, die vom See heraufstieg, und neckte die steinernen Wasserspeier, als ob er ihnen ein Lächeln entlocken wollte. Von oben bot sich ein Bild wie aus einem alten Märchenbuch: enge Gassen, Fachwerkhäuser, der Marktplatz mit dem barocken Neuen Schloss, und über allem die dunkle Silhouette der Burg, die über Jahrhunderten thronte.
In ihren Mauern lebte einst die große Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die hier zeitweise Unterkunft fand. Zwischen den steinernen Wänden der Burg schrieb sie einige ihrer bedeutendsten Werke – darunter die berühmte Novelle „Die Judenbuche“.
Dieses Werk erzählt die düstere Geschichte eines Mordes in einem westfälischen Dorf und enthüllt, wie Schuld, Aberglaube und gesellschaftliche Zwänge das Leben der Menschen durchdringen. Ein junger Mann, Friedrich Mergel, verstrickt sich in ein Netz aus Gewalt, Lügen und Flucht, bis er nach Jahrzehnten zurückkehrt und das Geheimnis um die Bluttat an der Buche offenbar wird. In diesem Werk mischen sich Realismus, psychologische Tiefe und eine feine Beobachtungsgabe – ein Spiegel menschlicher Abgründe, geboren aus der Feder einer Frau, die die Welt mit scharfen Augen und empfindsamem Herzen betrachtete.
Wir glitten über die Höfe, wo der Wind durch alte Fensterläden fuhr, als wolle er noch heute Verse tragen. Auf den Mauern wehte der Geist vergangener Jahrhunderte: Ritter, die ihre Schwerter schwangen, Edelfrauen, die von den Türmen hinausblickten, und nun auch die Gestalt einer Dichterin, die ihre Feder führte wie eine Klinge aus Worten.
Unter uns breitete sich der Bodensee aus, still und majestätisch, das Licht der Sonne tanzte auf den Wellen, und in der Ferne glänzten die Gipfel der Alpen. Es war ein Bild von Ewigkeit und Flüchtigkeit zugleich – und vielleicht war es eben dieses Spannungsfeld, das die Dichterin so bewegte.
Wir verabschiedeten uns mit einem letzten Blick auf die Burg, die im Abendlicht wie in goldenes Tuch gehüllt schien. Der Hofnarr flatterte davon, sein Lachen hallte über die Zinnen, und wir folgten ihm, getragen vom Wind, in die nächste Geschichte, die uns erwartete.
Reise um die Erde – Lindau am Bodensee
Die Insel im Spiegel des Wassers – Das fliegende Fahrrad glitt mit ruhigem Flügelschlag über die grünen Hügel des Allgäus, bis sich vor uns eine silberne Fläche öffnete – der Bodensee, so weit, dass er eher an ein Meer als an einen See erinnerte. Sein Wasser schimmerte im Abendlicht wie flüssiges Glas, die Berge der Alpen zeichneten sich am Horizont ab, und inmitten dieser Weite lag wie eine Perle die Inselstadt Lindau.
Der Hofnarr, sein Paraglider flatternd wie ein buntes Segel, ließ sich vom Wind tragen und spielte mit seinem Schatten, der über die Wasseroberfläche tanzte. Mit schelmischem Schwung umrundete er die berühmte Hafeneinfahrt, wo der steinerne Bayerische Löwe Wache hielt und der Leuchtturm in die Höhe ragte – ein majestätisches Tor, das Lindau mit dem See und der weiten Welt verband.
Wir schwebten tiefer, vorbei an den alten Gassen der Inselaltstadt, die sich mit Fachwerkhäusern, barocken Fassaden und kleinen Plätzen aneinanderreihten. Auf dem Marktplatz erhob sich das Rathaus mit seinen bunten Malereien, ein Märchen aus Stein, das Geschichten von Händlern, Bürgern und Reisenden erzählte. In den Cafés und unter den Arkaden klang das Lachen der Menschen wie eine lebendige Melodie, die sich mit dem Rauschen der Wellen mischte.
Weiter nördlich ragte die Stephanskirche, schlicht und erhaben, während die Münsterkirche Unserer Lieben Frau mit ihren Zwiebeltürmen in barocker Pracht glänzte. Jeder Turm, jede Gasse schien zu flüstern von Jahrhunderten, in denen Lindau eine Brücke zwischen Kulturen, ein Treffpunkt von Händlern, Künstlern und Pilgern war.
Doch es war der See selbst, der die eigentliche Bühne bildete: sanfte Wellen, die das Licht der Sonne einfingen, Boote, die wie Schwalben über die Fläche glitten, und die Ferne, wo die schneebedeckten Gipfel der Alpen wie Wächter am Horizont standen.
Wir hielten inne, schwebten still über dem Wasser.
Der Hofnarr ließ sich treiben, sein Paraglider spiegelte sich bunt im Bodensee, und für einen Moment schien es, als würden Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart im Glanz dieses Ortes eins werden.
Dann wandten wir uns wieder dem Himmel zu, getragen vom Wind, während Lindau hinter uns kleiner wurde – eine Insel voller Geschichten, ein funkelnder Edelstein im großen Spiegel des Bodensees.