Magazin Reise um die Erde

Flugstunden für die Seele

Hast Du schon einmal davon geträumt, die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken und an Orte zu reisen, die Du so noch nie gesehen hast? Unsere Magazin-Reihe „Reise um die Erde“ macht genau das möglich – ganz ohne Kofferpacken!

Mit faszinierenden, detailreichen Videos, die direkt über Google Earth erstellt wurden, heben wir ab und nehmen Dich mit auf eine virtuelle Expedition rund um unseren wunderschönen Planeten. Wir steuern weltbekannte Sehenswürdigkeiten, verborgene Naturschätze und geschichtsträchtige Städte an. Dabei betrachten wir diese faszinierenden Orte aus einer ganz neuen Dimension: spektakulär aus der Luft.

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Reise um die Erde – Drachenfels

Kaum hatten wir Oberpleis hinter uns gelassen, trugen uns die Strömungen des Westwinds wieder gen Rhein – jener uralte Strom, der wie eine silbern schimmernde Ader das Herz Europas durchzieht. Wir folgten seinem Lauf, und bald schon öffnete sich vor uns ein Schauspiel von solcher Anmut, dass selbst der nüchternste Geograph in Bewunderung hätte verstummen müssen.

Dort – stolz, geheimnisvoll, fast entrückt – erhob sich der Drachenfels, jener sagenumwobene Basaltkegel, der seit Äonen über das Rheintal wacht. An seinen steilen Flanken klebt, gleich einer Krone aus Stein, die ehrwürdige Drachenfelsruine, einst Bollwerk der Ritter, nun ein Monument der Romantik. Und nicht weit darunter, an geschützter Stelle über den Reben, thront die Drachenfelsburg, das neugotische Schloss mit seinen Zinnen, Erkern und Türmchen – errichtet im 19. Jahrhundert als Residenz eines preußischen Barons, gleichsam ein Traum aus Sandstein und Zeitgeist.

Unsere Blicke schweiften – wie magisch angezogen – über das weite Panorama. Von hier oben offenbarte sich das Rheintal in seiner ganzen Majestät: grüne Ufer, das silberne Band des Stromes, und inmitten desselben, wie eine vergessene Perle, die Insel Nonnenwerth, wo einst Benediktinerinnen beteten, und bis in die jüngere Vergangeheit junge Geister das Wissen der Zukunft erhalten haben.

Wie von Geisterhand gezogen, schlängelte sich unter uns die berühmte Drachenfelsbahn den Hang hinauf – eine der ältesten Zahnradbahnen Europas, in Betrieb seit dem Jahre 1883. Ihre kleinen Wagen, angetrieben vom Fleiß der Technik, erklimmen stetig das Massiv, als wollten sie den uralten Drachen selbst aufs Neue herausfordern.

Denn, so will es die Legende, sei es eben ein Drache gewesen, der einst auf dem Gipfel hauste – ein feuriges Ungeheuer, das nur durch den Mut des Ritters Siegfried bezwungen werden konnte. Das Blut des Drachens soll den Helden unverwundbar gemacht haben, so berichten die alten Sänger. Seither trägt der Fels seinen Namen – Drachenfels, der Berg des Drachens.

„Es sind nicht allein Höhenmeter, die uns den Atem rauben – es ist die Geschichte, die in jeder Fuge des Gesteins widerhallt.“

So verweilten wir mit diesem Zitat von Jules Verne einen Moment im Schweben, ehrfürchtig über diesem Ort, wo sich Natur, Mythos und Technik die Hand reichen.

Aus dem Archiv

Reise um die Erde – Nürnberg

Stadt der Türme und Geschichten – Unser fliegendes Fahrrad trug uns weiter gen Norden, über die Wogen des Bodensees hinweg, durch Felder und Wälder, bis sich am Horizont die Silhouette von Nürnberg erhob. Schon aus der Ferne glänzten die roten Dächer und die vielen Türme, die wie steinerne Wächter aus der Zeit ragten. Über allem thronte die mächtige Kaiserburg, deren Mauern in der Sonne glühten und deren Zinnen von Jahrhunderten der Geschichte erzählten.

Der Hofnarr segelte im Kreis um die Türme, seine Glöckchen klimperten wie kleine Glockenspiele, und er zeigte schelmisch auf die Mauern, als wollte er sagen: „Hier liegt ein Buch, das die ganze Welt erzählt.“ Und tatsächlich – Nürnberg war ein Ort, an dem sich die Geschichte wie ein Mosaik aus Handel, Kunst, Macht und Tragik zusammensetzte.

Wir glitten über die Altstadt, deren enge Gassen und Fachwerkhäuser sich wie ein Muster um die Plätze legten. Am Hauptmarkt strahlte die gotische Frauenkirche, vor der einst die Reichskleinodien gezeigt wurden, und gleich daneben erhob sich der berühmte Schöne Brunnen, mit seinen filigranen Figuren, die wie eingefrorene Erzählungen aus Stein wirkten.

Nürnberg war die Stadt der Meistersinger und der Spielwaren, des Handels und der Kunst. Hier lebte und wirkte Albrecht Dürer, dessen Haus noch heute von seinen Bildern, Stichen und Gedanken erzählt. In seinen Gemälden sah man denselben scharfen Blick, mit dem er die Welt betrachtete – und wir stellten uns vor, wie er hier durch die Gassen ging, Skizzen in der Tasche, die ihn unsterblich machen sollten.

Doch Nürnberg war auch eine Stadt der Mauern. Die gewaltige Stadtbefestigung mit ihren Türmen und Toren umschloss wie ein Gürtel die Altstadt und schien uns noch immer beschützen zu wollen.

Von hier aus spannte sich die Geschichte über Jahrhunderte: von den Tagen der Kaiser, die im Schatten der Burg Hof hielten, bis zu den dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts, die ihre Spuren hinterließen und von denen die Stadt sich erhob wie der Phönix aus der Asche.

Wir schwebten weiter über die Pegnitz, die sich in Schleifen durch die Stadt zog, vorbei an den Fachwerkbauten des Heilig-Geist-Spitals, die sich im Wasser spiegelten wie in einem Traum. Und als die Abendsonne die Dächer in goldenes Licht tauchte, wirkte Nürnberg selbst wie ein Gemälde – ein Bild, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannte.

Der Hofnarr machte einen letzten Sprung durch die Luft, sein Paraglider malte bunte Muster über den Himmel, und wir folgten ihm hinaus über die Stadt, in der jeder Stein, jede Brücke, jede Mauer eine Geschichte zu erzählen wusste.

Nürnberg – eine Stadt, die zugleich ein Buch, ein Gedicht und ein Lied war.

Reise um die Erde -Mont Saint-Michel

Die Krone des Meeres in der Normandie – Wie ein Traum, der aus den Wogen geboren wurde, erhob sich in der Ferne der Mont Saint-Michel. Unser fliegendes Fahrrad trug uns über die flachen Weiten der Bucht, wo sich das Wasser mit dem Himmel vereinte, und wir sahen ihn wachsen – Fels, Mauern, Türme, bis hinauf zur Krone der Abtei, die wie ein Finger gen Himmel wies. Der Paraglider des närrischen Begleiters flatterte bunt im Wind, während er in seinem Hofnarrenkostüm schelmische Kreise um uns zog. Die Glöckchen an seinem Hut klangen wie ferne Glockenspiele, als er lachend die mächtigen Mauern umkreiste, die den Klosterberg seit Jahrhunderten gegen Sturm und Flut verteidigen.

Unter uns lag die Stadt, ein Geflecht aus engen Gassen, steilen Treppen und Fachwerkhäusern, die sich an den Felsen schmiegten. Händler, Pilger, Ritter – man konnte sie fast noch sehen, wie sie durch die Tore strömten, getragen von Andacht oder von Abenteuerlust. Über allem thronte die Abtei, ein Wunder mittelalterlicher Baukunst, ihre Hallen und Kreuzgänge wie ein steinernes Gebet.

Die Geschichte des Mont Saint-Michel begann im Jahr 708, als der Bischof Aubert von Avranches nach einer Vision des Erzengels Michael den Auftrag erhielt, eine Kapelle auf dem Felsen zu errichten. Aus dieser kleinen Kapelle wuchs über die Jahrhunderte ein gewaltiger Klosterkomplex, der Mönchen und Pilgern gleichermaßen ein geistliches Zuhause bot. Im Mittelalter wurde der Mont zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Europas, oft als „Himmlisches Jerusalem“ bezeichnet.

Doch er war nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch der Verteidigung: während des Hundertjährigen Krieges trotzte er allen Angriffen der Engländer, seine Mauern erwiesen sich als uneinnehmbar. Später, in der Zeit der Französischen Revolution, verwandelte man das Kloster in ein Gefängnis – ein Schicksal, das dem heiligen Ort eine dunkle Schicht seiner Geschichte verlieh. Erst im 19. Jahrhundert begann die Restaurierung, die den Mont Saint-Michel zu dem machte, was er heute ist: ein Monument von UNESCO-Welterbe, Symbol für Glauben, Geschichte und die unerschütterliche Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Und ringsum das ewige Schauspiel der Natur: die Gezeiten, die das Meer kamen und gingen ließen, wie ein gewaltiger Atemzug der Erde selbst. Mal war der Mont eine Insel, von Wasser umspült, mal eine Festung des Landes, umgeben von Sand und Schlick, die wie ein Spiegel das Himmelslicht zurückgaben.

Wir kreisten in der Abendsonne um die goldene Statue des Erzengels Michael, die auf der Turmspitze leuchtete, als wolle sie den Himmel berühren. In diesem Moment schien es, als sei der Mont Saint-Michel nicht nur ein Bauwerk, sondern eine Brücke zwischen Welt und Ewigkeit – ein Traum aus Stein, Meer und Licht.

Und so zogen wir weiter, das Lachen des Hofnarren und das Flügelschlagen seines bunten Schirms im Ohr, während hinter uns die Krone des Meeres langsam kleiner wurde, bis sie im Glanz des Horizonts verschwand.