
Lange Zeit habe ich diese Bilder wie eine alte, verschlossene Holzkiste im Keller aufbewahrt. Ich habe die Geschichten meiner Kindheit und Jugend von außen betrachtet, habe mit Freunden darüber philosophiert, wie die Welt wohl damals gewesen sein mag. Doch irgendwann spürst du, dass es nicht reicht, nur den Staub von der Kiste zu pusten. Du musst sie öffnen. Du musst die Maske des Beobachters ablegen, tief Luft holen und genau dorthin zurückgehen, wo der Staub an den Schuhen noch echt war und die Knie vom letzten Abenteuer auf dem Deich bluteten.
Diese Reihe ist keine Chronik der großen Weltgeschichte. Es ist meine Geschichte. Ungefiltert, ehrlich und aus den Augen des Jungen erzählt, der ich einmal war. Bei meinen Eltern, bei Tanten, Onkeln und Großeltern war ich über Jahre hinweg einfach immer nur der liebe Jung – ein Name, der wie ein unsichtbares Band voller Wärme und Geborgenheit über meiner Kindheit lag, aber auch Erwartungen verbarg.
Es ist eine Reise zurück in eine ganz andere Welt. Sie beginnt an einem Tag, den ich selbst nur aus den warmen, leisen Erzählungen meiner Eltern kenne. Ein Tag voller Hoffnung und dem süßen Duft von frischem Frühlingserwachen… Ostermontag 1953, in Xanten.
Dort, im Schatten des Doms und der alten Kriemhildmühle, liegen die Wurzeln. Doch der Lebensweg führte uns weiter, hinein in eine neue Heimat, die mein Leben für immer prägen sollte: die Eisenbahnsiedlung, im heutigen Duisburg-Rheinhausen, an der Stadtgrenze zu Krefeld. Es war ein Mikrokosmos für sich, ein Ort voller Leben, Ruß und Zusammenhalt.
Was dich auf diesen Seiten erwartet, ist das unbeschwerte, manchmal wilde Aufwachsen am Niederrhein in den Fünfzigern und Sechzigern. Ich nehme dich mit in die Tage des Kindergartens und die harten Holzbänke der Schulzeit. Wir werden zusammen die großen Feste feiern, die das Jahr strukturierten, und wir werden den salzigen Wind der Nordsee spüren, dorthin, wohin man uns zur Kindererholung schickte – eine Zeit voller Heimweh, aber auch voller neuer Horizonte.
Vor allem aber geht es um die Freiheit. Um die Freunde, die mit mir durch dick und dünn gingen. Wir werden wieder durch die endlosen, weiten Rheinwiesen streunen, geheime Verstecke bauen und den Kopf voller Flausen haben. Denn was wäre eine echte Kindheit ohne die Streiche, die uns damals das Herz bis zum Hals schlagen ließen und über die wir noch heute lachen?
Die Schienen sind gelegt, der Zug der Erinnerung fährt ab. Tritt ein, setz dich zu mir ans Fenster und lass uns gemeinsam dorthin zurückreisen, wo alles anfing. Der liebe Jung erzählt. Und Du bist ganz Ohr.