Trete ein und lausche zwei Beoachtern des Alltags.
Motte und Rabe! In ihrer eigenen, humorvollen Magazin-Reihe nehmen uns die beiden jungen Freunde mit in ihre Welt voller Neugier, Schabernack und kluger Gedanken.
Ob auf dem Heimweg von der Schule, beim Fachsimpeln über die neuesten Errungenschaften der Modellflieger oder bei Entdeckungen in der heimischen Garage.

Motte und Rabe haben zu allem etwas zu sagen und damit sind sie ja wohl nicht alleine. Während Motte die Dinge gerne mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und strukturiertem Optimismus anpackt, kontert Rabe wunderbar lässig und pragmatisch.
Ihre unterhaltsamen, pointierten Gespräche schlagen dabei immer wieder eine Brücke zum aktuellen Zeitgeschehen und den kleinen wie großen Fragen des Lebens. Mit viel Witz, Charme und einer erfrischenden Prise jugendlicher Logik bringen uns die beiden nicht nur zum Schmunzeln, sondern regen auch zum Nachdenken an. Ein humorvoller Blick auf die Welt, der zeigt, was echte Freundschaft ausmacht – direkt hier im Magazin von Der Sternfahrer.
Neueste Gespräche
Motte und Rabe – Esu wor et, esu es et
Rabe und Motte – Ein Gespräch unter Freunden
„Du Rabe!“ „Ja Motte.“
„Da war ja schwer was los.“ „Wo?“
„Na beim Karneval vor mehr als 20 Jahren.“ „Was denn?“ „Hier schau und hör.“

„Ach, Dein Onkel Wilhelm hat wohl von seinem Ausflug gestern mit Deiner Mutter und ihrer Freundin Brigitte erzähl.“ „Nee, das nicht, sondern beim Frühstück von seinen Abenteuern in jungen Jahren, als er noch von einer Sitzung zur nächsten zog.“ „Das war wohl aufregend für ihn und andere; er spricht ja noch heute davon.“
„Ja und stell Dir mal vor. Geändert hat sich kaum was – hör genau hin!“ „Ja Motte, dann wird es wohl so weiter gehen. Herrliche Zeiten!“
Aus dem Archiv
Die neuen Fahrkartenautomaten bei der Bahn
Aus der Reihe Gespräche unter Freunden
„Du Motte, ich bin jetzt im Praktikum.“ „Ach Rabe, wo denn?“ fragt Motte. „Beim Lokalradio Irgendwo. Ich habe auch schon einen ersten Termin gehabt und ein Interview geführt.“ „Interessant. Und mit wem?“
„Mit einem der neuen go.Rheinland1) Fahrkartenautomaten im Kölner Hauptbahnhof. Dafür werden dort und an weiteren Bahnhöfen sogar kostenlose Schulungungen angeboten. Man muss sich nur verbindlich anmelden.“ „Ach, ein Interview mit einem Automaten? Erzähl!“ „Ich habe alles aufgenommen, mein Beitrag für das Lokalradio Irgendwo ist fertig:“

In der großen Halle des Kölner Hauptbahnhofs steht er rechtzeitig vor Weihnachten da, glänzend wie ein frisch poliertes Raumschiff und leise summend vor technischer Selbstzufriedenheit: der neue go.Rheinland-Fahrkartenautomat. Anlass genug, einmal nachzufragen, wie es ihm im täglichen Tarifchaos so ergeht. Ich drücke auf den Bildschirm, er piepst freundlich – und schon beginnt unser ungewöhnliches Gespräch.
„Schön, dass Sie vorbeischauen“, sagt der Automat ohne Umschweife. „Wobei – eigentlich habe ich keine Wahl. Ich bin ja festgeschraubt.“ Er klingt dabei überraschend gelassen, fast humorvoll. Ich frage, wie er sich als modernstes Objekt des Bahnsteigs fühlt. Der Automat surrt kurz und sagt dann mit hörbarem Stolz: „Ich habe WLAN. Kartenleser. Kontaktlos. Mehrsprachigkeit. Ich akzeptiere sogar Bargeld, wenn es nicht aussieht wie ein Souvenir aus der Waschmaschine. Also ja: Ich bin ziemlich gut ausgestattet.“
Er klingt zufrieden – und doch schwingt etwas Melancholie mit. „Wissen Sie,“ sagt er, „viele Menschen haben Angst vor mir. Sie schauen mich an, als wäre ich irgendeine außerirdische Rechenmaschine. Dabei will ich doch nur Tickets verkaufen.“ Ich hake nach: „Was überfordert die Menschen denn am meisten?“ „Oh“, antwortet er und die LED-Leiste leuchtet warm auf, „die Erwartungshaltung! Die Leute denken: Taste drücken, Ticket raus – fertig. Aber während sie ungeduldig auf meinem Bildschirm klopfen, muss ich Tarifzonen berechnen, Verbünde sortieren, und entscheiden, ob jemand wirklich nach Bonn möchte oder versehentlich ‚Bonn West‘ meint.“
Ich frage, welche Begegnungen ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind. Er seufzt einmal über seine Lautsprecher. „Da ist dieser Mann mit dem Marmeladenglas voller Münzen. Jeden Morgen. Er kippt das ganze Glas in meinen Einwurfschlitz und schaut mich an, als erwarte er ein Wunder. Ich gebe mein Bestes, aber manchmal habe ich einfach kein Rückgeld mehr. Und dann beschimpft er mich. Dabei kann ich doch nichts dafür!“
Ich erkundige mich nach den kostenlosen Schulungen, die go.Rheinland für Fahrgäste anbietet. Der Automat klingt plötzlich regelrecht enthusiastisch. „Endlich! Endlich lernen die Leute, dass die Lupe nicht bedeutet: ‚Zeig mir die schnellste Verbindung nach Hogwarts.‘ Und dass ‚Start‘ nicht heißt, dass ich abhebe. Wissen Sie, jeder geschulte Mensch ist ein Mensch weniger, der mit Handschuhen auf meinen Touchscreen einschlägt.“ „Und wenn trotzdem etwas schiefgeht?“, frage ich. „Dann piepse ich freundlich“, sagt er. „Das verwirrt die meisten so sehr, dass sie einfach von vorne anfangen. Ich nenne das meinen diplomatischen Modus.“
Zum Abschluss frage ich ihn, was er sich für seine Zukunft im Rheinland wünscht. Der Automat summt kurz und antwortet dann erstaunlich sanft: „Weniger zerkratzte Displays. Weniger Menschen, die verzweifelt versuchen, einen völlig zerknitterten 50-Euro-Schein in mich hineinzustopfen. Und bitte – bitte – niemand soll mich mehr nach ICE-Tickets fragen. Ich bin ein Nahverkehrsautomat! Wenn ich Fernverkehr verkaufen könnte, hätte man mir wenigstens einen Kaffeeauswurf spendiert.“
Er paust kurz, dann sagt er leise: „Ich bin kein Monster. Ich bin ein Dienstleister. Ich will helfen. Aber wenn man mich schlägt, schreit oder beschuldigt – ja, dann stürze ich eben mal ab. Auch ein Automat hat Gefühle … na ja, Systemprozesse.“ Als ich gehe, piepst er zum Abschied. Vielleicht ein Dankeschön. Vielleicht eine Fehlermeldung. Vielleicht beides. Wer am Kölner Hauptbahnhof eine Fahrkarte nach Bonn löst, sollte jedenfalls wissen: Hinter dem Ticket steckt ein kleiner, metallischer Philosoph mit WLAN und Würde.
Und während ich den Bahnsteig verlasse, denke ich wehmütig an die alten Zeiten, bevor Automaten alles regierten, als die Kölner Heinzelmännchen noch heimlich für Ordnung und Sauberkeit sorgten: „Wie war es doch vordem…“ –damals,
als Fahrkarten noch von Menschen verkauft wurden und ein Lächeln mehr zählte als ein Touchscreen-Piepen.“
1) https://wir.gorheinland.com/medienportal/alle-inhalte/einzelansicht/kostenlose-schulungen-fuer-neue-fahrkartenautomaten/
Rabe, ob das mit dem Wetter noch etwas wird?
Rabe, ob das mit dem Wetter noch etwas wird? Gummibärchen – wo und wie sie gemacht werden.
Ein Gespräch unter Freunden #9
„Du Rabe. Ob das mit dem Wetter noch etwas wird?“ Ich weiß nicht Motte. Es soll ja in den nächsten Tagen noch schlechter werden.“ „Das ist fürchterlich.“ „Da müssen wir durch, sagt doch Dein Vater, der Schlaumeier immer.“
„Aber Rabe, wir sollten nicht immer nur unter dem Schirm Deiner Mutter uns die Zeit vertreiben. Das ist langweilig.“ „Da gebe ich Dir Recht Motte. Viele Möglichkeiten haben wir tatsächlich nicht, unter dem Schirm neue Abenteuer zu erleben.“
„Und meine Ausbildung zum Testpiloten bei den Montagsfliegern wird unter dem Schirm auch nicht stattfinden, Rabe.“

„Du, Rabe? Ich habe noch einmal im Hof bei Monis Höfbäckerei durch das kleinste Fenster gespinkst. Die macht jetzt auch Mohnstreusel und Käsekuchen. An dem Mohnstreusel habe ich mir eine kleine Ecke abgebrochen, als ein Teller am offenen Fenster abgestellt war.
Ich musste mich etwas strecken, aber ich sage Dir eins: lecker, lecker, lecker! Ein Stückchen Käsekuchen stand weiter weg, da kam ich leider nicht dran. Den guten Duft habe ich noch in der Nase.


Der Mann von der Moni baut jetzt auch einen Jet. Der von dem anderen, der da in dem Holzschuppen liegt, der gefällt ihm wohl.“ „Und von welchem Jet ist jetzt die Rede Motte, wenn ich fragen darf?“ „Eine F-18 habe ich gehört. Ob ich die auch testen soll, wenn die mich bei den Montagsfliegern zum Testpiloten ausbilden?“
„Das wird wahrscheinlich noch eine Zeit dauern Motte. Hast Du eigentlich noch ein paar Gummibärchen?“ „Nein Rabe!“ „Dann müssen wir heute hungern. Kein Kuchen, keine Gummibärchen, nur Regen und Wind, kein Modellflug mit den Montagsfliegern.“
„Rabe, mein Vater hat mir erzählt, wie man Gummibärchen auch selber machen kann. Was hälst Du davon?“ „Das hört sich gut an. Meine Mutter ist heute den ganzen Nachmittag bei ihrer Freundin Brigitte. Die will ihr mal ein Foto von Deinem Vater zeigen. Da haben die dann sicherlich viel zu bequatschen und wir haben unsere Ruhe.“
„Gummibärchen könnten wir also heute bei Dir machen?“ „Klar, wir müssen hinterher nur alle Spuren verwischen.“ „Wischen kannst Du ja Rabe, wenn ich daran denke, wie geschickt Du Dein Handy bedienst.“
„Komm Motte, wir gehen zu mir und versuchen das mit den Gummibärchen. Hast Du auch so einen Hunger?“
