Magazin Reise um die Erde

Flugstunden für die Seele

Hast Du schon einmal davon geträumt, die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken und an Orte zu reisen, die Du so noch nie gesehen hast? Unsere Magazin-Reihe „Reise um die Erde“ macht genau das möglich – ganz ohne Kofferpacken!

Mit faszinierenden, detailreichen Videos, die direkt über Google Earth erstellt wurden, heben wir ab und nehmen Dich mit auf eine virtuelle Expedition rund um unseren wunderschönen Planeten. Wir steuern weltbekannte Sehenswürdigkeiten, verborgene Naturschätze und geschichtsträchtige Städte an. Dabei betrachten wir diese faszinierenden Orte aus einer ganz neuen Dimension: spektakulär aus der Luft.

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Reise um die Erde – Zürich – Stadt am See

Aus den silbrigen Schleiern des Morgens tauchte sie auf – Zürich, wie eine Perle gebettet zwischen sanften Hügeln, am gläsernen Wasser des Zürichsees, der in stillen Atemzügen den Himmel widerspiegelte. In der Ferne, dort, wo der Blick sich verliert, standen die Alpen wie Wächter aus Licht und Schnee. Wir ließen unser fliegendes Fahrrad sanft über den Uetliberg steigen, wo sich die Welt weit öffnete – unter uns die Stadt, durchzogen von Wasseradern, gekrönt vom schimmernden Bogen des Sees. Von hier schien Zürich nicht gebaut, sondern gewachsen, Schicht um Schicht, wie ein sorgsam gefasster Edelstein.

An der Seepromenade tanzte das Licht auf den Wellen, Boote ruhten wie träumerische Schwäne. Die Brücken der Limmat spannten sich in eleganten Schwüngen zwischen den Ufern – leise Verbindungen aus Stein, die Geschichten tragen. Auf der einen Seite das Fraumünster, wo Chagalls Glasfenster in Blau und Gold wie gefangene Träume leuchteten; gegenüber das Grossmünster, fest und klar, wie eine ernste Stimme in einem alten Duett.

Hier, so dachte ich, hätte Friedrich Dürrenmatt wohl eine Szene ersinnen können, in der Licht und Schatten um die Wahrheit rangen. Nicht weit davon hatte Richard Wagner einst im Exil seine Klänge in den Zürichsee hinausgetragen – Melodien, die noch heute in den Gassen zu schweben scheinen. Über dem Niederdorf wehten Stimmen und Düfte, während am anderen Ufer das Opernhaus in weißer Eleganz glänzte, bereit, den Vorhang zu heben. Hinter den Türmen des Landesmuseums Zürich hätte Albert Einstein einst wohl den Funken einer Idee aufgefangen – jenes Leuchten, das Raum und Zeit neu erklärte. Und irgendwo in dieser Stadt, zwischen Arkaden und Märkten, hätte Johanna Spyri die Wärme gefunden, aus der ihre Heidi geboren wurde. Heute, am stillen Ufer, liegt eine andere Stimme – Tina Turner, deren Lieder wie ferne Wellen auf dem See verhallen, kraftvoll und sanft zugleich.

Von oben war Zürich eine Komposition aus Wasser und Stein, aus klingender Gegenwart und gedämpfter Erinnerung. Wir kreisten ein letztes Mal über dem See, dessen Oberfläche im Sonnenlicht wie flüssiges Glas erstrahlte – und nahmen dann Kurs auf den nächsten Horizont, als trüge uns der Fluss selbst hinaus in die Welt.

Aus dem Archiv

Reise um die Erde – Meersburg am Bodensee

Die Dichterin und die Burg am See – Unser fliegendes Fahrrad zog seine Kreise über dem glitzernden Band des Bodensees, und bald tauchte vor uns die Stadt Meersburg auf, wie an die Hänge gemalt, die sanft zum Ufer hinabfallen. Weinberge kleideten die Hänge in sattes Grün, und dazwischen ragten Mauern und Türme auf: die Alte Burg, eine der ältesten bewohnten Burgen Deutschlands, ehrwürdig und zugleich lebendig, erster Bau im 7. Jahrhundert.

Der Hofnarr segelte mit seinem roten Paraglider knapp an den Zinnen entlang, ließ sich von der Thermik tragen, die vom See heraufstieg, und neckte die steinernen Wasserspeier, als ob er ihnen ein Lächeln entlocken wollte. Von oben bot sich ein Bild wie aus einem alten Märchenbuch: enge Gassen, Fachwerkhäuser, der Marktplatz mit dem barocken Neuen Schloss, und über allem die dunkle Silhouette der Burg, die über Jahrhunderten thronte.

In ihren Mauern lebte einst die große Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die hier zeitweise Unterkunft fand. Zwischen den steinernen Wänden der Burg schrieb sie einige ihrer bedeutendsten Werke – darunter die berühmte Novelle „Die Judenbuche“.

Sterbezimmer von Annette von Droste-Hülshoff († 24. Mai 1848)

Dieses Werk erzählt die düstere Geschichte eines Mordes in einem westfälischen Dorf und enthüllt, wie Schuld, Aberglaube und gesellschaftliche Zwänge das Leben der Menschen durchdringen. Ein junger Mann, Friedrich Mergel, verstrickt sich in ein Netz aus Gewalt, Lügen und Flucht, bis er nach Jahrzehnten zurückkehrt und das Geheimnis um die Bluttat an der Buche offenbar wird. In diesem Werk mischen sich Realismus, psychologische Tiefe und eine feine Beobachtungsgabe – ein Spiegel menschlicher Abgründe, geboren aus der Feder einer Frau, die die Welt mit scharfen Augen und empfindsamem Herzen betrachtete.

Wir glitten über die Höfe, wo der Wind durch alte Fensterläden fuhr, als wolle er noch heute Verse tragen. Auf den Mauern wehte der Geist vergangener Jahrhunderte: Ritter, die ihre Schwerter schwangen, Edelfrauen, die von den Türmen hinausblickten, und nun auch die Gestalt einer Dichterin, die ihre Feder führte wie eine Klinge aus Worten.

Unter uns breitete sich der Bodensee aus, still und majestätisch, das Licht der Sonne tanzte auf den Wellen, und in der Ferne glänzten die Gipfel der Alpen. Es war ein Bild von Ewigkeit und Flüchtigkeit zugleich – und vielleicht war es eben dieses Spannungsfeld, das die Dichterin so bewegte.

Wir verabschiedeten uns mit einem letzten Blick auf die Burg, die im Abendlicht wie in goldenes Tuch gehüllt schien. Der Hofnarr flatterte davon, sein Lachen hallte über die Zinnen, und wir folgten ihm, getragen vom Wind, in die nächste Geschichte, die uns erwartete.


Reise um die Erde – Budapest – Königin an der Donau

Der Morgen dämmerte in blassen Goldtönen, als wir unser fliegendes Fahrrad erneut bestiegen. Die Pedale knarrten leise, die Schwingen unserer leichten Konstruktion entfalteten sich im Sonnenlicht wie die Flügel eines gigantischen Schmetterlings. Der Wind trug uns ostwärts, über Felder, Wälder, und den endlosen Spiegel der Donau, deren Wasser wie geschmolzenes Glas dahinfloss.

Bald erhob sich am Horizont eine Silhouette, die so majestätisch wirkte, dass man meinen konnte, eine Stadt aus Marmor und Musik schwebe auf dem Strom: Budapest, die unangefochtene Königin an der Donau.

Von Norden her kommend, bot sich uns ein Anblick, der selbst die kühnsten Erwartungen übertraf: Auf der einen Seite, hoch und würdevoll, das Burgviertel von Buda, mit der gotischen Matthiaskirche und der Fischerbastei, deren weiße Türme wie aus einem Märchenbuch Wellen aus Stein formten. Auf der anderen Seite, jenseits der Kettenbrücke, breitete sich Pest aus – pulsierend, elegant, gekrönt vom imposanten Parlamentsgebäude, dessen neugotische Fassaden im Morgendunst glühten wie von innen erhellt.

Wir kreisten einmal über der Kettenbrücke, diesem Meisterwerk aus Eisen und Stein, und spürten in den Seilen fast die Schwingung vergangener Jahrhunderte. Darunter zog die Donau träge, doch unermüdlich, und trennte – oder besser: verband – die beiden Hälften dieser einzigartigen Metropole.

Ich konnte nicht umhin, an jene Visionäre zu denken, die diese Stadt prägten: Könige, Architekten, Komponisten – und all jene stillen Träumer, die wie König Ludwig einst davon geträumt haben, die Welt aus der Luft zu sehen. Vielleicht, so dachte ich, hätte auch er hier verweilt, auf einem Balkon mit Blick auf den Strom, und sich vorgestellt, wie er in einer Maschine durch die Lüfte über die Dächer der Stadt gleitet.

Von oben war Budapest wie eine Partitur: das gleichmäßige Blau der Donau als tiefer Grundton, die Kuppeln und Türme als aufsteigende Melodielinien, das unruhige Straßenleben als sanftes Tremolo in der Ferne.

„Hier“, sagte mein Gefährte, während wir eine weite Schleife zogen, „hier tanzt Geschichte im Walzertakt, und jede Brücke ist ein Taktstrich zwischen den Jahrhunderten.“

So hielten wir einen Augenblick inne, ließen die Pedale ruhen und schwebten still über der Stadt.