Magazin Reise um die Erde

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Reise um die Erde – Luxemburg – Festung Europas

Früh am Morgen trug uns das fliegende Fahrrad über sanfte Hügel, bis sich vor uns eine Stadt auf hohen Felsen zeigte – Luxemburg, die Festung Europas. Unter uns gähnten tiefe Schluchten, in denen die Alzette still dahinfloss, und Brücken wie steinerne Bögen spannten sich kühn darüber.

Die Oberstadt lag wie eine Krone auf dem Felsplateau, umgeben von den mächtigen Überresten alter Bastionen. Wir glitten über das Großherzogliche Palais, dessen Fassade im Morgengold schimmerte, und sahen den Place d’Armes, noch still, als hielte er den Atem vor dem Erwachen des Tages an.

Die engen Gassen führten zu der schlichten Eleganz der Kathedrale Notre-Dame, und von der Corniche aus öffnete sich der Blick weit hinab ins Tal – ein Balkon über einem Meer aus Mauern, Gärten und Brücken.

Ein letzter Kreis über der Altstadt, und wir folgten dem Licht, das schon die Dächer der Unterstadt berührte – bereit, den nächsten Horizont zu suchen.

Aus dem Archiv

Reise um die Erde – Drachenfels

Kaum hatten wir Oberpleis hinter uns gelassen, trugen uns die Strömungen des Westwinds wieder gen Rhein – jener uralte Strom, der wie eine silbern schimmernde Ader das Herz Europas durchzieht. Wir folgten seinem Lauf, und bald schon öffnete sich vor uns ein Schauspiel von solcher Anmut, dass selbst der nüchternste Geograph in Bewunderung hätte verstummen müssen.

Dort – stolz, geheimnisvoll, fast entrückt – erhob sich der Drachenfels, jener sagenumwobene Basaltkegel, der seit Äonen über das Rheintal wacht. An seinen steilen Flanken klebt, gleich einer Krone aus Stein, die ehrwürdige Drachenfelsruine, einst Bollwerk der Ritter, nun ein Monument der Romantik. Und nicht weit darunter, an geschützter Stelle über den Reben, thront die Drachenfelsburg, das neugotische Schloss mit seinen Zinnen, Erkern und Türmchen – errichtet im 19. Jahrhundert als Residenz eines preußischen Barons, gleichsam ein Traum aus Sandstein und Zeitgeist.

Unsere Blicke schweiften – wie magisch angezogen – über das weite Panorama. Von hier oben offenbarte sich das Rheintal in seiner ganzen Majestät: grüne Ufer, das silberne Band des Stromes, und inmitten desselben, wie eine vergessene Perle, die Insel Nonnenwerth, wo einst Benediktinerinnen beteten, und bis in die jüngere Vergangeheit junge Geister das Wissen der Zukunft erhalten haben.

Wie von Geisterhand gezogen, schlängelte sich unter uns die berühmte Drachenfelsbahn den Hang hinauf – eine der ältesten Zahnradbahnen Europas, in Betrieb seit dem Jahre 1883. Ihre kleinen Wagen, angetrieben vom Fleiß der Technik, erklimmen stetig das Massiv, als wollten sie den uralten Drachen selbst aufs Neue herausfordern.

Denn, so will es die Legende, sei es eben ein Drache gewesen, der einst auf dem Gipfel hauste – ein feuriges Ungeheuer, das nur durch den Mut des Ritters Siegfried bezwungen werden konnte. Das Blut des Drachens soll den Helden unverwundbar gemacht haben, so berichten die alten Sänger. Seither trägt der Fels seinen Namen – Drachenfels, der Berg des Drachens.

„Es sind nicht allein Höhenmeter, die uns den Atem rauben – es ist die Geschichte, die in jeder Fuge des Gesteins widerhallt.“

So verweilten wir mit diesem Zitat von Jules Verne einen Moment im Schweben, ehrfürchtig über diesem Ort, wo sich Natur, Mythos und Technik die Hand reichen.

Reise um die Erde – Leipzig – Stadt der Töne und Gedanken

Die Mittagssonne stand schon hoch, als wir Dresden hinter uns ließen und mit gleichmäßigem Tritt die Pedale unseres fliegenden Fahrrads bewegten. Der Fahrtwind war mild, die Landschaft weit und leicht gewellt – Felder, Wälder, Dörfer, verstreut wie Noten auf einem leeren Blatt. Schon aus der Ferne kündigte sich unser Ziel an: Leipzig, jene Stadt, in der Musik, Geist und Geschichte ein feines Gewebe bilden, gespannt über Jahrhunderte hinweg. Wir näherten uns aus südöstlicher Richtung, der Blick weit über die Dächer und Plätze, die wie Seiten eines ehrwürdigen Buches aufgeschlagen dalagen. Die Silhouette war weniger prunkvoll als Dresden, doch von einer anderen Art Schönheit – einer, die aus Ideen gebaut ist.

Im Westen sahen wir den imposanten Block des Gewandhauses, jenen Konzerttempel von Weltruf, in dem schon Mendelssohn dirigierte und wo heute noch der Klang der großen Sinfonien wie ein ewiger Strom pulsiert. Gleich daneben das Opernhaus, ein moderner Bau, der sich in klaren Linien zum Augustusplatz öffnet – eine Bühne für Dramen aus Klang und Bewegung.

Unser Flug senkte sich über die Altstadt, wo enge Gassen sich winden und alte Handelshöfe von Leipzigs glanzvoller Zeit als Messemetropole erzählen. Wir kreisten um die ehrwürdige Thomaskirche, jenen Ort, wo Johann Sebastian Bach als Thomaskantor wirkte, komponierte, unterrichtete, begraben liegt. Noch heute klingt aus dem Chor sein Werk, als wolle er selbst noch über die Jahrhunderte hinweg die Zügel der Musik führen.

Denkmal Johann Sebastian Bach Leipzig 2011

„Dies“, sagte mein Gefährte andächtig, „ist nicht einfach ein Ort. Es ist ein Zentrum der Schwingung, wo der Ton nicht erklingt – sondern entsteht.“

Wir fuhren weiter, über den Marktplatz, vorbei am alten Rathaus mit seiner prächtigen Renaissance-Fassade, und näherten uns dem Nikolaikirchhof, wo sich einst Menschen mit Kerzen versammelten – leise, standhaft, friedlich. Die Friedliche Revolution begann hier mit Gedanken, getragen von Hoffnung – und mündete in Wandel.

Doch Leipzig ist nicht nur Musik und Geschichte – es ist auch Bewegung, Verlagshaus, Universität, Messeplatz. Über den Dächern sahen wir die Glaskuppel der Universitätsbibliothek und das Völkerschlachtdenkmal, ein Mahnmal von gewaltiger Stille.

Wir zogen eine letzte Runde über die Stadt, die sich nun wieder in Bewegung setzte: Fahrräder auf dem Innenstadtring, Studierende auf Plätzen, Kinder, Stimmen, Glocken. Leipzig war nicht laut, nicht prunkvoll – aber tief.

„Eine Stadt wie ein Cello“, flüsterte ich. „Nicht schrill, nicht glänzend – aber mit einem Klang, der bleibt.“

Und so setzten wir unsere Reise fort – mit leichtem Tritt, durch die Luft, dem Abend entgegen.