Flugstunden für die Seele
Hast Du schon einmal davon geträumt, die Welt aus der Vogelperspektive zu entdecken und an Orte zu reisen, die Du so noch nie gesehen hast? Unsere Magazin-Reihe „Reise um die Erde“ macht genau das möglich – ganz ohne Kofferpacken!
Mit faszinierenden, detailreichen Videos, die direkt über Google Earth erstellt wurden, heben wir ab und nehmen Dich mit auf eine virtuelle Expedition rund um unseren wunderschönen Planeten. Wir steuern weltbekannte Sehenswürdigkeiten, verborgene Naturschätze und geschichtsträchtige Städte an. Dabei betrachten wir diese faszinierenden Orte aus einer ganz neuen Dimension: spektakulär aus der Luft.
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Reise um die Erde -Mont Saint-Michel
Die Krone des Meeres in der Normandie – Wie ein Traum, der aus den Wogen geboren wurde, erhob sich in der Ferne der Mont Saint-Michel. Unser fliegendes Fahrrad trug uns über die flachen Weiten der Bucht, wo sich das Wasser mit dem Himmel vereinte, und wir sahen ihn wachsen – Fels, Mauern, Türme, bis hinauf zur Krone der Abtei, die wie ein Finger gen Himmel wies. Der Paraglider des närrischen Begleiters flatterte bunt im Wind, während er in seinem Hofnarrenkostüm schelmische Kreise um uns zog. Die Glöckchen an seinem Hut klangen wie ferne Glockenspiele, als er lachend die mächtigen Mauern umkreiste, die den Klosterberg seit Jahrhunderten gegen Sturm und Flut verteidigen.
Unter uns lag die Stadt, ein Geflecht aus engen Gassen, steilen Treppen und Fachwerkhäusern, die sich an den Felsen schmiegten. Händler, Pilger, Ritter – man konnte sie fast noch sehen, wie sie durch die Tore strömten, getragen von Andacht oder von Abenteuerlust. Über allem thronte die Abtei, ein Wunder mittelalterlicher Baukunst, ihre Hallen und Kreuzgänge wie ein steinernes Gebet.
Die Geschichte des Mont Saint-Michel begann im Jahr 708, als der Bischof Aubert von Avranches nach einer Vision des Erzengels Michael den Auftrag erhielt, eine Kapelle auf dem Felsen zu errichten. Aus dieser kleinen Kapelle wuchs über die Jahrhunderte ein gewaltiger Klosterkomplex, der Mönchen und Pilgern gleichermaßen ein geistliches Zuhause bot. Im Mittelalter wurde der Mont zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Europas, oft als „Himmlisches Jerusalem“ bezeichnet.
Doch er war nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch der Verteidigung: während des Hundertjährigen Krieges trotzte er allen Angriffen der Engländer, seine Mauern erwiesen sich als uneinnehmbar. Später, in der Zeit der Französischen Revolution, verwandelte man das Kloster in ein Gefängnis – ein Schicksal, das dem heiligen Ort eine dunkle Schicht seiner Geschichte verlieh. Erst im 19. Jahrhundert begann die Restaurierung, die den Mont Saint-Michel zu dem machte, was er heute ist: ein Monument von UNESCO-Welterbe, Symbol für Glauben, Geschichte und die unerschütterliche Verbindung zwischen Mensch und Natur.
Und ringsum das ewige Schauspiel der Natur: die Gezeiten, die das Meer kamen und gingen ließen, wie ein gewaltiger Atemzug der Erde selbst. Mal war der Mont eine Insel, von Wasser umspült, mal eine Festung des Landes, umgeben von Sand und Schlick, die wie ein Spiegel das Himmelslicht zurückgaben.
Wir kreisten in der Abendsonne um die goldene Statue des Erzengels Michael, die auf der Turmspitze leuchtete, als wolle sie den Himmel berühren. In diesem Moment schien es, als sei der Mont Saint-Michel nicht nur ein Bauwerk, sondern eine Brücke zwischen Welt und Ewigkeit – ein Traum aus Stein, Meer und Licht.
Und so zogen wir weiter, das Lachen des Hofnarren und das Flügelschlagen seines bunten Schirms im Ohr, während hinter uns die Krone des Meeres langsam kleiner wurde, bis sie im Glanz des Horizonts verschwand.
Aus dem Archiv
Reise um die Erde – Nürnberg
Stadt der Türme und Geschichten – Unser fliegendes Fahrrad trug uns weiter gen Norden, über die Wogen des Bodensees hinweg, durch Felder und Wälder, bis sich am Horizont die Silhouette von Nürnberg erhob. Schon aus der Ferne glänzten die roten Dächer und die vielen Türme, die wie steinerne Wächter aus der Zeit ragten. Über allem thronte die mächtige Kaiserburg, deren Mauern in der Sonne glühten und deren Zinnen von Jahrhunderten der Geschichte erzählten.
Der Hofnarr segelte im Kreis um die Türme, seine Glöckchen klimperten wie kleine Glockenspiele, und er zeigte schelmisch auf die Mauern, als wollte er sagen: „Hier liegt ein Buch, das die ganze Welt erzählt.“ Und tatsächlich – Nürnberg war ein Ort, an dem sich die Geschichte wie ein Mosaik aus Handel, Kunst, Macht und Tragik zusammensetzte.

Wir glitten über die Altstadt, deren enge Gassen und Fachwerkhäuser sich wie ein Muster um die Plätze legten. Am Hauptmarkt strahlte die gotische Frauenkirche, vor der einst die Reichskleinodien gezeigt wurden, und gleich daneben erhob sich der berühmte Schöne Brunnen, mit seinen filigranen Figuren, die wie eingefrorene Erzählungen aus Stein wirkten.
Nürnberg war die Stadt der Meistersinger und der Spielwaren, des Handels und der Kunst. Hier lebte und wirkte Albrecht Dürer, dessen Haus noch heute von seinen Bildern, Stichen und Gedanken erzählt. In seinen Gemälden sah man denselben scharfen Blick, mit dem er die Welt betrachtete – und wir stellten uns vor, wie er hier durch die Gassen ging, Skizzen in der Tasche, die ihn unsterblich machen sollten.

Doch Nürnberg war auch eine Stadt der Mauern. Die gewaltige Stadtbefestigung mit ihren Türmen und Toren umschloss wie ein Gürtel die Altstadt und schien uns noch immer beschützen zu wollen.
Von hier aus spannte sich die Geschichte über Jahrhunderte: von den Tagen der Kaiser, die im Schatten der Burg Hof hielten, bis zu den dunklen Kapiteln des 20. Jahrhunderts, die ihre Spuren hinterließen und von denen die Stadt sich erhob wie der Phönix aus der Asche.

Wir schwebten weiter über die Pegnitz, die sich in Schleifen durch die Stadt zog, vorbei an den Fachwerkbauten des Heilig-Geist-Spitals, die sich im Wasser spiegelten wie in einem Traum. Und als die Abendsonne die Dächer in goldenes Licht tauchte, wirkte Nürnberg selbst wie ein Gemälde – ein Bild, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannte.
Der Hofnarr machte einen letzten Sprung durch die Luft, sein Paraglider malte bunte Muster über den Himmel, und wir folgten ihm hinaus über die Stadt, in der jeder Stein, jede Brücke, jede Mauer eine Geschichte zu erzählen wusste.
Nürnberg – eine Stadt, die zugleich ein Buch, ein Gedicht und ein Lied war.
Reise um die Erde – Leipzig – Stadt der Töne und Gedanken
Die Mittagssonne stand schon hoch, als wir Dresden hinter uns ließen und mit gleichmäßigem Tritt die Pedale unseres fliegenden Fahrrads bewegten. Der Fahrtwind war mild, die Landschaft weit und leicht gewellt – Felder, Wälder, Dörfer, verstreut wie Noten auf einem leeren Blatt. Schon aus der Ferne kündigte sich unser Ziel an: Leipzig, jene Stadt, in der Musik, Geist und Geschichte ein feines Gewebe bilden, gespannt über Jahrhunderte hinweg. Wir näherten uns aus südöstlicher Richtung, der Blick weit über die Dächer und Plätze, die wie Seiten eines ehrwürdigen Buches aufgeschlagen dalagen. Die Silhouette war weniger prunkvoll als Dresden, doch von einer anderen Art Schönheit – einer, die aus Ideen gebaut ist.
Im Westen sahen wir den imposanten Block des Gewandhauses, jenen Konzerttempel von Weltruf, in dem schon Mendelssohn dirigierte und wo heute noch der Klang der großen Sinfonien wie ein ewiger Strom pulsiert. Gleich daneben das Opernhaus, ein moderner Bau, der sich in klaren Linien zum Augustusplatz öffnet – eine Bühne für Dramen aus Klang und Bewegung.
Unser Flug senkte sich über die Altstadt, wo enge Gassen sich winden und alte Handelshöfe von Leipzigs glanzvoller Zeit als Messemetropole erzählen. Wir kreisten um die ehrwürdige Thomaskirche, jenen Ort, wo Johann Sebastian Bach als Thomaskantor wirkte, komponierte, unterrichtete, begraben liegt. Noch heute klingt aus dem Chor sein Werk, als wolle er selbst noch über die Jahrhunderte hinweg die Zügel der Musik führen.
„Dies“, sagte mein Gefährte andächtig, „ist nicht einfach ein Ort. Es ist ein Zentrum der Schwingung, wo der Ton nicht erklingt – sondern entsteht.“
Wir fuhren weiter, über den Marktplatz, vorbei am alten Rathaus mit seiner prächtigen Renaissance-Fassade, und näherten uns dem Nikolaikirchhof, wo sich einst Menschen mit Kerzen versammelten – leise, standhaft, friedlich. Die Friedliche Revolution begann hier mit Gedanken, getragen von Hoffnung – und mündete in Wandel.
Doch Leipzig ist nicht nur Musik und Geschichte – es ist auch Bewegung, Verlagshaus, Universität, Messeplatz. Über den Dächern sahen wir die Glaskuppel der Universitätsbibliothek und das Völkerschlachtdenkmal, ein Mahnmal von gewaltiger Stille.
Wir zogen eine letzte Runde über die Stadt, die sich nun wieder in Bewegung setzte: Fahrräder auf dem Innenstadtring, Studierende auf Plätzen, Kinder, Stimmen, Glocken. Leipzig war nicht laut, nicht prunkvoll – aber tief.
„Eine Stadt wie ein Cello“, flüsterte ich. „Nicht schrill, nicht glänzend – aber mit einem Klang, der bleibt.“
Und so setzten wir unsere Reise fort – mit leichtem Tritt, durch die Luft, dem Abend entgegen.