Ein leiser Hauch von schwerem Öl und heißem Ruß liegt in der Luft, getragen vom bittersüßen Duft verglimmender Kohle. Schließe für einen Moment die Augen und lausche dem Erwachen einer eigenen kleinen Welt: Das rhythmische, feine Klicken der Relais gibt den Takt vor, gefolgt vom vertrauten, tiefen Rollen stählerner Räder auf filigranen Gleisen. Weiße Dampfwolken steigen empor und hüllen die detailverliebte Landschaft in nostalgische Poesie. Jedes Signal, jeder Waggon und jeder Schienenstoß erzählt eine Geschichte von Sehnsucht, Präzision und dem großen Zauber im Miniaturformat.
Komme an Bord und begleite uns auf den Spuren der Schienenwege:
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DB Museum Koblenz – Spur I – BR064
Die lange Strecke der Spur-I-Modulanlage – hier zeigt sich die Modellbahn von ihrer schönsten Seite: wenn die Züge nicht nur im Bahnhof rangieren oder über kleine Brücken rollen, sondern richtig Fahrt aufnehmen. Und genau das tut in diesem Teil die Baureihe 064, eine Maschine, die schon im Original für Bewegung auf mittleren Distanzen gebaut wurde – und auf der Anlage in Koblenz wirkt, als sei sie noch einmal jung geworden.
Die BR 064, liebevoll auch „Bubikopf“ genannt, wurde ab 1928 von verschiedenen Herstellern der deutschen Lokomotivindustrie gebaut, unter anderem von Borsig, Henschel und Krupp. Insgesamt entstanden 520 Exemplare. Es war eine klassische Einheitslok der Deutschen Reichsbahn, gedacht für den leichten Personen- und Güterzugdienst auf Neben- und Hauptstrecken. Ihre Achsfolge 1’C1’ (eine Laufachse vorne, drei Kuppelachsen, eine Laufachse hinten) machte sie wendig genug für kurvige Nebenstrecken und gleichzeitig kräftig genug, um ordentliche Lasten zu bewegen.
Mit rund 64 Tonnen Dienstgewicht, einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und einer Leistung von knapp 1.000 PS war sie der perfekte Allrounder für kleinere und mittlere Aufgaben. Im Einsatz war sie auf vielen Strecken der Reichsbahn, später auch der Bundesbahn, von Norddeutschland bis ins Allgäu. Fast jedes Bahnbetriebswerk hatte irgendwann eine oder mehrere 64er in seinen Reihen.
Auf der Spur-I-Anlage in Koblenz läuft die 064 mit erstaunlicher Eleganz über die lange Strecke, vorbei an vielen interessanten Blickfängen.


Im Modell spürt man noch etwas von der universellen Rolle, die sie im Original hatte: eine Lok, die alles konnte – Wendezüge, Personenzüge, Güterzüge. Sie war die Lok für den Alltag, für die Verbindung zwischen Stadt und Land, für die kleinen und großen Wege, die Eisenbahn eben ausmachen.
Und tatsächlich: Ganz verschwunden ist die Baureihe 64 bis heute nicht. Mehrere Exemplare wurden nach ihrer Ausmusterung vor der Verschrottung bewahrt. So stehen sie heute in Museen, unter anderem auch in Koblenz, oder sind betriebsfähig bei Museumsbahnen unterwegs. Wer Glück hat, kann noch mit einer echten 64er über die Schienen fahren – ein Erlebnis, das den Charme dieser kleinen, vielseitigen Maschine lebendig hält.
So zeigt Teil 8 der Videoreihe einen weiteren Kontrast: während zuvor mit der 85er das pure Kraftpaket für die Steilrampen unterwegs war, ist es nun die vielseitige, kompakte 64er, die in Bewegung kommt. Und gerade im Modell wirkt es, als sei sie immer noch auf Dienstfahrt – pünktlich, zuverlässig und unermüdlich auf der Strecke.
Aus dem Archiv
IRGENDWO – Inspirationen im LVR Museum Lindlar
Das LVR Freilichtmuseum1) in Lindar bietet einiges an Inspirationen für Landschafs- und Gebäudegestaltung im geplanten Modellbahn Diorama IRGENDWO. Hier gibt es aus vergangenen Zeiten Fachwerkhäuser, einen Teich, kleine Brücken, einen Durchgang, ein Stromverteilerhaus, alte Handwerksbetriebe, eine Seilerei, alles was von der Art auch in IRGENWO sein könnte, erinnern und träumen läßt. Ein Besuch des Museums ist zu empfehlen.
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1) https://freilichtmuseum-lindlar.lvr.de/de/startseite.html
Moba Total – Anschlussbahn der Sendener Kreisbahn
Bei der Veranstaltung „Modellbahn Total!“ des Eisenbahnclub Rhein-Sieg e.V. am 8. und 9. November 2025 in der Jabachhalle in Lohmar war sie zu sehen – die kleine, aber außergewöhnlich stimmungsvolle Anlage von Heinz-Ulrich Grumpe aus Münster: die „Anschlussbahn der Sendener Kreisbahn zum Kanalhafen“.
Im Jahr 1965 schlägt das Herz der kleinen Sendener Kreisbahn noch kräftig. Es ist eine jener stillen, fast vergessenen Eisenbahnwelten, in denen das Rattern der Räder und das Pfeifen der kleinen Diesellok den Alltag bestimmen. Vom Endbahnhof Suchtrup-Nord, der irgendwo jenseits des sichtbaren Randes liegt, führt eine kurze Stichstrecke hinunter zum Kanalhafen – dorthin, wo Arbeit, Gerüche und Geräusche eine ganz eigene Geschichte erzählen.
Am Kai herrscht Betriebsamkeit. Ein kleines Lagerhaus steht am Wasser, die Türen weit geöffnet, während Arbeiter Säcke und Kisten verladen. Nebenan zieht aus der Fischräucherei ein feiner, salziger Dunst über die Gleise, und die alte Fischkonservenfabrik lässt die Lokführer freundlich grüßen, wenn sie mit ein paar gedeckten Güterwagen frische Ware holen. Ein Stück weiter liegen Kohleberge im Licht, bereit, auf die Kanalschiffe umgeschlagen zu werden. Hier, zwischen Wasser und Gleis, schlägt das Herz eines winzigen Wirtschaftswunders.



All das spielt sich auf gerade einmal 125 × 40 Zentimetern ab – eine Miniaturwelt, aufgebaut auf einem schlichten Malgrund aus dem Künstlerbedarf. Heinz-Ulrich Grumpe aus Münster hat sie erschaffen, mit ruhiger Hand, wachem Blick und spürbarer Liebe zum Detail. Sechs Monate lang wuchs die kleine Bahn: Gebäude und Schiffe entstanden aus Papierbastelbögen, Landschaft und Vegetation aus handelsüblichen Materialien. Das Ergebnis ist kein großes Schaustück, sondern eine leise, in sich geschlossene Szene voller Atmosphäre – ein Kunstwerk. Eisenbahnromantik pur auf kleinem Raum.



Der Betrieb läuft analog, wie es sich für diese Zeit gehört. Über eine Wechselkassette erreicht man den Fiddle-Yard – eine unsichtbare Verbindung zur weiten Welt. Von dort kommen Züge an, verschwinden wieder, und für einen Moment glaubt man, die kleine Hafenbahn sei wirklich Teil eines großen Netzes. Es ist, als würde man durchs Schlüsselloch in eine vergangene Epoche blicken: eine Zeit, in der noch jede Rangierfahrt Handarbeit war und der Lokführer den Hafenmeister beim Namen kannte.
Hagen Ortloff, bekannt aus Eisenbahn-Romantik, hat diese Anlage vorgestellt – zu Recht. Denn sie zeigt, wie groß kleine Dinge werden können, wenn man sie mit Liebe baut.
Zwischen Brücke, Kai und Schiff erzählt sie Geschichten von Arbeit, Abschied, Bewegung und Heimat. Und während der Zug langsam anrollt, der Rauch über dem Wasser hängt und das Signal am Hafen auf Fahrt steht, scheint die Zeit stillzustehen – irgendwo im Münsterland, im Jahr 1965.
Eine kleine Bahn, ein kleiner Hafen – und doch eine ganze Welt.
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