Modellbahn Tagebuch

Ein leiser Hauch von schwerem Öl und heißem Ruß liegt in der Luft, getragen vom bittersüßen Duft verglimmender Kohle. Schließe für einen Moment die Augen und lausche dem Erwachen einer eigenen kleinen Welt: Das rhythmische, feine Klicken der Relais gibt den Takt vor, gefolgt vom vertrauten, tiefen Rollen stählerner Räder auf filigranen Gleisen. Weiße Dampfwolken steigen empor und hüllen die detailverliebte Landschaft in nostalgische Poesie. Jedes Signal, jeder Waggon und jeder Schienenstoß erzählt eine Geschichte von Sehnsucht, Präzision und dem großen Zauber im Miniaturformat.

Komme an Bord und begleite uns auf den Spuren der Schienenwege:

Neuester Beitrag

DB Museum Koblenz – Spur I – BR85 008

Nach den schweren Hebeln der Stellwerkstechnik wird es im DB Museum Koblenz spielerischer – zumindest auf den ersten Blick. Am Tag der Schiene 2025 im DB Museum Koblenz führt der Rundgang zur imposanten Spur-I-Modulanlage der IG Spur 1 Mittelrhein, die im Maßstab 1:32 gebaut ist und etwa 45 × 6 Meter misst. Mit rund 135 Modulen und einer Gesamtgleislänge von rund 320 Metern steht der Besucher hier vor einer modellhaften Miniaturwelt mit Bahnhöfen, Brücken, Neben- und Hauptstrecken. Viele dieser Module sind Eigentum der IG Spur 1 Mittelrhein, die sie betreuen, gestalten und regelmäßig betreiben.

Auf dieser Anlage fährt ein ganz besonderes Modell: die BR 85 008 – eine Lokomotive, deren Vorbild ursprünglich 1932/1933 von der Firma Henschel in Kassel geliefert wurde.

Sie gehörte zu den zehn Maschinen der Baureihe 85 (Fabriknummer 22142), die speziell für die Höllentalbahn im Schwarzwald gebaut wurden.

Lokomotive 85007 04

BR85 007 – Bahnbetriebswerk Freiburg

Verlaufskarte Höllentalbahn 2

Diese Loks zeichneten sich durch ihre sechs Kuppelachsen, das Dreizylindertriebwerk und ihre enorme Zugkraft aus, die sie auf Steilstrecken wie der Höllentalbahn unverzichtbar machte. Mit einem Dienstgewicht von rund 133,5 Tonnen und einer Achslast von etwas über 20 Tonnen gehörte die 85 008 zu den Schwergewichten ihrer Zeit. Das erlaubte ihr, auch unter schwierigsten Bedingungen zuverlässig zu arbeiten, bedeutete aber gleichzeitig, dass sie fast ausschließlich auf für hohe Lasten ausgelegten Strecken eingesetzt werden konnte. Stationiert war sie überwiegend beim Bahnbetriebswerk Freiburg, wo sie Güterzüge und auch Personenzüge über die Steilrampen der Schwarzwaldstrecken brachte.

Wie ihre Schwesterloks erreichte auch die 85 008 ein Lebensende, als die Elektrifizierung und moderne Traktionsarten ihren Dienst überflüssig machten. Im Jahr 1961 wurde sie ausgemustert – und damit endete die Geschichte einer Lok, die für reine Kraft gebaut war und drei Jahrzehnte lang zuverlässig ihre schwere Arbeit verrichtete.

Dass auf der Spur-I-Modulanlage in Koblenz heute ein Modell der 85 008 fährt, verleiht dem Ganzen eine besondere Note: Hier wird Technikgeschichte bewahrt, und der Charakter einer Maschine, die im Original längst verschwunden ist, rollt in Miniatur weiter.

Aus dem Archiv

Dampfmaschine Wilesco D21

Mehr als zehn Jahre in einem der abgestellten, verstaubten Kartons geschlummert, wieder entdeckt, ausgepackt, gereinigt, poliert, und aufgebaut, die gute Wilseco D21.

Es wird eine Freude sein, die Maschine alsbald unter Dampf zu setzen und im laufenden Betrieb zu sehen, zu hören, zu riechen.

Ikone der Eisenbahn – ET403 – fährt wieder

Ursprünglich als Hochgeschwindigkeitszug für den Bahnverkehr entwickelt, wurde der ET403 in den 1970er Jahren zu einer der technologisch fortschrittlichsten Zuggarnituren seiner Zeit. Heute fährt er wieder regelmäßig – als Modell im Maßstab 1:87 in Hennef (Sieg).

Der ET403 wurde von der Deutschen Bundesbahn (DB) in den frühen 1970er Jahren als Reaktion auf den steigenden Bedarf an schnellen, komfortablen Zügen entwickelt. Die Idee war, ein Fahrzeug zu schaffen, das modernste Technik mit einem futuristischen Design verbindet. Zwischen 1973 und 1975 wurden vier vierteilige Triebzüge von der Deutschen Bundesbahn gebaut.

Besonders markant am ET403 ist seine aerodynamische Kopfform, die an einen Flugzeugcockpit erinnert, was ihm schnell den Spitznamen „Donald Duck“ einbrachte. Die Züge waren voll elektrisch angetrieben und konnten Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen – eine bemerkenswerte Leistung für die damalige Zeit. Sie waren mit Jakobs-Drehgestellen ausgestattet, die den Laufkomfort verbesserten und gleichzeitig Gewicht sparten. Auch die Vielfachsteuerung war ein technisches Highlight, da sie den Betrieb mehrerer Einheiten zusammen ermöglichte.

Der Lufthansa Airport Express

Nachdem der ET403 in den späten 1970er Jahren im Nahverkehr weniger zum Einsatz kam, fand er Anfang der 1980er Jahre eine neue Bestimmung. Die Lufthansa suchte nach einer innovativen Möglichkeit, Passagiere zwischen den Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt am Main und Stuttgart zu befördern. Der ET403 wurde modernisiert und unter dem Namen „Lufthansa Airport Express“ in die Dienste der Fluggesellschaft gestellt.

403 als Lufthansa-Airport-Express zwischen Oberwesel und St. Goar (Linke Rheinstrecke), 23. Juli 1988

Die Züge erhielten ein neues Farbschema in den Lufthansa-Farben Weiß, Blau und Gelb, und das Interieur wurde auf ein erstklassiges Niveau gebracht, um den Ansprüchen der Flugreisenden zu genügen.

Bundesarchiv B 145 Bild-F079079-0002, Frankfurt-Main, Lufthansa Airport Express

Das Angebot wurde zu einer Art „fliegendem Zug“:

Es gab Check-in-Möglichkeiten an Bord, Gepäcktransportservices und eine komfortable Ausstattung, die der ersten Klasse eines Flugzeugs ähnelte.

Von 1982 bis 1993 verkehrte der Lufthansa Airport Express erfolgreich und bot eine direkte Verbindung zwischen den Flughäfen und wichtigen deutschen Städten. Mit der zunehmenden Konkurrenz durch den Ausbau des ICE-Netzes wurde der Betrieb jedoch eingestellt. Leider.

Ich erinnere mich gerne an diesen Zug und verbinde damit persönliche Erlebnisse. Auf meiner Rückreise aus dem sechswöchigen Urlaub in Canada im Mai 1987 mit der Lufthansa von Vancouver über Calgary, die Weiten des Landes, den Atlantik ging es ab Flughafen Frankfurt mit einem der vier ET403 Lufthansa Airport Express am linken Rheinufer entlang nach Köln Hauptbahnhof.

Köln hauptbahnhof 1990 2

Heute habe ich meinen eigenen ET403 Lufthansa Airport Express. Nicht im Original, dafür sind Wohnung und auch Straße zu klein. Aber als Modell im Maßstab 1:87 H0 passt es. Meinen „Donald Duck“ von der Firma Lima, Gleichstromsystem, hat Udo auf Wechselstrom und Digital umgerüstet und als ständige Leihgabe in den Bestand seiner Loks und Triebfahrzeuge in seinem Bahnbetriebswerk aufgenommen.

Seit Januar 2025 steht er da nicht nur herum, sondern vekehrt regelmäßig auf dem weiten Streckennetz.

So hat auch Hennef (Sieg) seinen „Donald Duck“ und ich habe mein Dauerticket. (GD)