Dein Magazin für Modellbau, Technik und Spielzeug

In der kleinen Welt der Technik erwacht die Leidenschaft für Details und das gemeinsame Hobby zum Leben! Ob zu Lande, zu Wasser, in der Luft oder auf Schienen: Tauch ein in unsere fünf großen Themenwelten, lass dich vom nostalgischen Retro-Charme inspirieren.

Wähle deine Kategorie, nimm das Steuer in die Hand und leg los!

Neu

Reise um die Erde – Watzmann und Königssee

Noch ehe der Morgen ganz erwacht war, glitten wir auf leisen Schwingen über das smaragdgrüne Dach des Berchtesgadener Landes. Die Lüfte waren kühl und klar, das Licht von silbrigem Glanz – wie gewaschen in Tau und Nebel. Unter uns spannte sich die Landschaft wie ein uraltes Gemälde auf: zerfurchte Felsen, dunkelgrüne Wälder, glänzende Wasserflächen. Dann, wie aus einer alten Sage hervorgetreten, erhob sich der Watzmann, majestätisch, düster, verehrt und gefürchtet zugleich.

Der Name selbst – Watzmann – ist sagenumwoben. Einige führen ihn auf ein altes Adelsgeschlecht zurück, doch in den Legenden der Einheimischen lebt er als König weiter: ein grausamer Herrscher, der mitsamt Gemahlin und Kindern zur Strafe für seine Taten in Stein verwandelt wurde.

So ruht der Berg in der Landschaft wie eine schlafende Familie aus Fels – der Vater, kantig und hoch, daneben die Watzfrau, und dahinter die Watzmannkinder, sieben schroffe Gipfel wie in ewiger Buße erstarrt.¹)

20150824 Watzmann, Berchtesgaden (01982)

Tiefer unter uns schimmerte der Königssee, ein fjordartiger See von fast unwirklicher Klarheit. Seine Wasser spiegelten das Hochgebirge so vollkommen, dass es schien, als flöge man durch zwei Welten – eine über, und eine unter der Erde. Der See trägt seinen Namen wohl aus alter königlicher Jagdtradition; einst war dies Revier der bayerischen Herzöge und Könige. Doch manche munkeln, der Name sei älter noch – ein Relikt aus Zeiten, da Berge selbst Götter waren.

Wie aufgezogen durch eine verborgene Uhr gleiteten die Elektroboote über den See – flach, weiß, mit hölzernen Dächern, und in ihrem Kielwasser wogte kaum eine Spur.

Am Westufer, zu Füßen einer steilen Wand aus Fels, lag St. Bartholomä wie ein gemaltes Kleinod: die barocke Wallfahrtskirche mit ihren roten Zwiebeltürmen, daneben das ehemalige Jagdschlösschen. St. Bartholomä, benannt nach dem Schutzpatron der Almbauern und Fischer, ist seit Jahrhunderten Ziel derer, die Einkehr, Einsamkeit oder ein stilles Wunder suchen.²)

Königssee 034

Da erklang, ganz plötzlich, aus der Ferne ein Alphorn – ein tiefer, langgezogener Ruf, der von den Felsen zurückgeworfen wurde wie eine Antwort aus der Zeit. Kurz darauf das zarte, metallene Bimmeln der Kuhglocken von den Almen, als würde ein unsichtbarer Hirte den Morgen begrüßen.

Wir flogen schweigend weiter – die Schönheit der Szenerie verlangte kein Wort. Stattdessen ließen wir die Namen und Klänge dieser Orte in uns nachhallen, wie man einen Choral mit sich trägt: schlicht, ehrwürdig, voller Geheimnisse.


¹) Zur Watzmann-Sage vgl. „Die Berchtesgadener Sagenwelt“, 1898, Bayerische Volkskunde, S. 241.
²) St. Bartholomä ist urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt; die heutige Kirche entstand in barocker Gestalt im 17. Jh.

Aus dem Archiv

Reise um die Erde – Lindau am Bodensee

Die Insel im Spiegel des Wassers – Das fliegende Fahrrad glitt mit ruhigem Flügelschlag über die grünen Hügel des Allgäus, bis sich vor uns eine silberne Fläche öffnete – der Bodensee, so weit, dass er eher an ein Meer als an einen See erinnerte. Sein Wasser schimmerte im Abendlicht wie flüssiges Glas, die Berge der Alpen zeichneten sich am Horizont ab, und inmitten dieser Weite lag wie eine Perle die Inselstadt Lindau.

Der Hofnarr, sein Paraglider flatternd wie ein buntes Segel, ließ sich vom Wind tragen und spielte mit seinem Schatten, der über die Wasseroberfläche tanzte. Mit schelmischem Schwung umrundete er die berühmte Hafeneinfahrt, wo der steinerne Bayerische Löwe Wache hielt und der Leuchtturm in die Höhe ragte – ein majestätisches Tor, das Lindau mit dem See und der weiten Welt verband.

Wir schwebten tiefer, vorbei an den alten Gassen der Inselaltstadt, die sich mit Fachwerkhäusern, barocken Fassaden und kleinen Plätzen aneinanderreihten. Auf dem Marktplatz erhob sich das Rathaus mit seinen bunten Malereien, ein Märchen aus Stein, das Geschichten von Händlern, Bürgern und Reisenden erzählte. In den Cafés und unter den Arkaden klang das Lachen der Menschen wie eine lebendige Melodie, die sich mit dem Rauschen der Wellen mischte.

Weiter nördlich ragte die Stephanskirche, schlicht und erhaben, während die Münsterkirche Unserer Lieben Frau mit ihren Zwiebeltürmen in barocker Pracht glänzte. Jeder Turm, jede Gasse schien zu flüstern von Jahrhunderten, in denen Lindau eine Brücke zwischen Kulturen, ein Treffpunkt von Händlern, Künstlern und Pilgern war.

Doch es war der See selbst, der die eigentliche Bühne bildete: sanfte Wellen, die das Licht der Sonne einfingen, Boote, die wie Schwalben über die Fläche glitten, und die Ferne, wo die schneebedeckten Gipfel der Alpen wie Wächter am Horizont standen.

Wir hielten inne, schwebten still über dem Wasser.

Der Hofnarr ließ sich treiben, sein Paraglider spiegelte sich bunt im Bodensee, und für einen Moment schien es, als würden Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart im Glanz dieses Ortes eins werden.

Dann wandten wir uns wieder dem Himmel zu, getragen vom Wind, während Lindau hinter uns kleiner wurde – eine Insel voller Geschichten, ein funkelnder Edelstein im großen Spiegel des Bodensees.