Trete ein und lausche zwei Beoachtern des Alltags.
Motte und Rabe! In ihrer eigenen, humorvollen Magazin-Reihe nehmen uns die beiden jungen Freunde mit in ihre Welt voller Neugier, Schabernack und kluger Gedanken.
Ob auf dem Heimweg von der Schule, beim Fachsimpeln über die neuesten Errungenschaften der Modellflieger oder bei Entdeckungen in der heimischen Garage.

Motte und Rabe haben zu allem etwas zu sagen und damit sind sie ja wohl nicht alleine. Während Motte die Dinge gerne mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und strukturiertem Optimismus anpackt, kontert Rabe wunderbar lässig und pragmatisch.
Ihre unterhaltsamen, pointierten Gespräche schlagen dabei immer wieder eine Brücke zum aktuellen Zeitgeschehen und den kleinen wie großen Fragen des Lebens. Mit viel Witz, Charme und einer erfrischenden Prise jugendlicher Logik bringen uns die beiden nicht nur zum Schmunzeln, sondern regen auch zum Nachdenken an. Ein humorvoller Blick auf die Welt, der zeigt, was echte Freundschaft ausmacht – direkt hier im Magazin von Der Sternfahrer.
Neueste Gespräche
Motte und Rabe – Buschtrottel Ballett
Motte und Rabe – Buschtrottel Ballett – ein Gespräch unter Freunden
„Du Rabe, jetzt sitzen wir wieder unter dem Schirm. Das ist der Klimawandel, sagt mein Vater.“ „Motte, mein Onkel Wilhelm meint, das ist doch alles Quatsch. Früher hieß es immer: Der April, der April, der macht was er will.“ „Rabe, die Erwachsenen machen doch auch was sie wollen, oder? Der April ist so wie die Erwachsenen.“
„Motte, leg Dich besser nicht mit den Erwachsenen an.“ „Weißt Du etwas Neues Rabe?“ „Ja, gestern war ich mit dem Fahrrad bei unseren Freunden vorbei gefahren, den Modellfliegern.“ „Aber es hat doch geregnet, so wie heute? Bist Du mit unserem Schirm Fahrrad gefahren, nur mit einer Hand am Lenker?“ „Seh ich so aus?“ „Nein, eigentlich nicht.“

„Sag mal Motte, kann es sein, dass die etwas verrückt sind.“ „Wieso?“ „Der Große mit dem Werkzeugkasten am Gürtel sprach vom Ballett. Meine Mutter und ihre Freundin Brigitte schwärmen auch fürs Ballett.“ „Rabe, ich denke die schwärmen für meinen Vater?“
„Ja Motte, und fürs Ballett. Brigitte hat mir mal Bilder in einer Zeitschrift gezeigt. Das sah ganz anders aus als bei den Modellfliegern. Was das auf der Wiese mit Ballett zu tuen hat, habe ich nicht verstanden. Die sind nur mit ihren Trotteln geflogen und tanzen habe ich keinen gesehen.“ „Wieso denn dann Ballett?“ „Hier schau und höre selbst, ich habe ein paar Aufnahmen gemacht.“
„Rabe, hatte das Wiesen-Café bei dem Wetter auch auf?“ „Nein leider nicht.“ „Schade, Du hättest mir ja sonst auch ein Stückchen Kuchen mitgebracht. Hier nimm. Ich habe noch ein paar Gummibärchen von Ostern dabei.“
„Motte, die haben die Flugzeuge selbst gebaut. Jemand in Köln hat die konstruiert, Thomas heißt der, Buchwald. Und den Bauplan dafür gibt es sogar kostenlos bei der Zeitschrift FlugModell.“
„Rabe, meinst Du, wir sollen uns auch solche Flieger bauen?“ „Klar Motte, Ballettunterricht mache ich aber nicht mit.“
alle Videos mit unseren Buschtrottel Modellen in der youtube playlist box oben rechts
Aus dem Archiv
Motte und Rabe – die schwärmen jetzt für Flieger
Motte und Rabe – die schwärmen jetzt für Flieger – ein Gespräch unter Freunden #37
„Du Rabe?“ „Ja Motte, was gibt es?“
„Ich habe mir gestern in der Eisdiele Da Enzo zwei Eisbällchen in einem knusprigen Hörnchen gekauft. Das war lecker. Und stell Dir mal vor, wen ich da getroffen habe.“
„Weiß ich doch nicht, den Herrn Pfarrer oder einen anderen Deiner Freunde?“

„Nein Rabe, Deine Mutter und ihre Freundin Brigitte. Ich stand in der Schlange hinter denen und habe alles gehört.“ „Ach, Du hast wieder gelauscht? Worüber haben sie denn gesprochen? Über mich etwa?“
„Nein Rabe, die haben über einen Flieger gesprochen und ein ganz tolles Flugzeug, einen Doppeldecker. Die beiden waren ganz verrückt danach und haben nur so geschwärmt. Was für ein netter Mann, und die Landschaft – einmalig.“ „Meine Mutter und Brigitte, Du bist Dir sicher Motte?“ „Ja, vollkommen sicher, es gibt keinen Zweifel.“ „Haben die geträumt?“
„Nein Rabe, die hatten wohl zusammen einen Film gesehen.“ „Elvis? Der ist jetzt in den Kinos gestartet. Das war doch auch so ein Frauenschwarm. Mein Onkel Wilhelm hat davon erzählt als wäre er selbst Elvis und dann hat er den ganzen Tag mit seiner Luftgitarre und schwingenden Hüften nur noch gute Laune verbreitet.“
„Nein Rabe, der Flieger heißt nicht Elvis, der Film spielt in Afrika. Ich glaube da spielt Elvis nicht mit, sondern ein Robert.“ „Ach, und das findest Du aufregend Motte?“
„Nein, da gab es auch schöne Aufnahmen von einem Doppeldecker, da sind der Robert und eine Frau mit geflogen und haben sich Afrika von oben angesehen.
Hier Rabe, ich habe einen Ausschnitt dabei, schau nur.
„Motte, jetzt kann ich mir vorstellen, wie verzückt die beiden Damen waren und gerne vor Robert in dem Flugzeug gesessen hätten und er ihnen Afrika von oben zeigt.“ „Das glaube ich auch Rabe, aber das Schönste kommt ja noch.“ „Und was?“
„Als die beiden ihr Eis hatten und sich umdrehten, haben sie mich gesehen und fast umgerannt. Dann haben sie nur noch gekichert und zu mir gesagt: Flieger grüß mir die Sonne. Und stell Dir vor, die Freundin Deiner Mutter, die Brigitte, setzte noch hinzu: und natürlich Deinen Vater. Verstehst Du das?“
„Das verstehe ich gut Motte.“ „Ja und?“ „Das erkläre ich Dir, wenn Du groß bist.“
„Rabe, die Montagsfliegern haben auch so ein Flugzeug wie in dem Film, nur in einer anderen Farbe und eben ein Modell.“
„Ja Motte, die haben nicht nur eine Motte, sondern mit Dir zwei.“ „Und einen Robert haben die auch Rabe.“
Die neuen Fahrkartenautomaten bei der Bahn
Aus der Reihe Gespräche unter Freunden
„Du Motte, ich bin jetzt im Praktikum.“ „Ach Rabe, wo denn?“ fragt Motte. „Beim Lokalradio Irgendwo. Ich habe auch schon einen ersten Termin gehabt und ein Interview geführt.“ „Interessant. Und mit wem?“
„Mit einem der neuen go.Rheinland1) Fahrkartenautomaten im Kölner Hauptbahnhof. Dafür werden dort und an weiteren Bahnhöfen sogar kostenlose Schulungungen angeboten. Man muss sich nur verbindlich anmelden.“ „Ach, ein Interview mit einem Automaten? Erzähl!“ „Ich habe alles aufgenommen, mein Beitrag für das Lokalradio Irgendwo ist fertig:“

In der großen Halle des Kölner Hauptbahnhofs steht er rechtzeitig vor Weihnachten da, glänzend wie ein frisch poliertes Raumschiff und leise summend vor technischer Selbstzufriedenheit: der neue go.Rheinland-Fahrkartenautomat. Anlass genug, einmal nachzufragen, wie es ihm im täglichen Tarifchaos so ergeht. Ich drücke auf den Bildschirm, er piepst freundlich – und schon beginnt unser ungewöhnliches Gespräch.
„Schön, dass Sie vorbeischauen“, sagt der Automat ohne Umschweife. „Wobei – eigentlich habe ich keine Wahl. Ich bin ja festgeschraubt.“ Er klingt dabei überraschend gelassen, fast humorvoll. Ich frage, wie er sich als modernstes Objekt des Bahnsteigs fühlt. Der Automat surrt kurz und sagt dann mit hörbarem Stolz: „Ich habe WLAN. Kartenleser. Kontaktlos. Mehrsprachigkeit. Ich akzeptiere sogar Bargeld, wenn es nicht aussieht wie ein Souvenir aus der Waschmaschine. Also ja: Ich bin ziemlich gut ausgestattet.“
Er klingt zufrieden – und doch schwingt etwas Melancholie mit. „Wissen Sie,“ sagt er, „viele Menschen haben Angst vor mir. Sie schauen mich an, als wäre ich irgendeine außerirdische Rechenmaschine. Dabei will ich doch nur Tickets verkaufen.“ Ich hake nach: „Was überfordert die Menschen denn am meisten?“ „Oh“, antwortet er und die LED-Leiste leuchtet warm auf, „die Erwartungshaltung! Die Leute denken: Taste drücken, Ticket raus – fertig. Aber während sie ungeduldig auf meinem Bildschirm klopfen, muss ich Tarifzonen berechnen, Verbünde sortieren, und entscheiden, ob jemand wirklich nach Bonn möchte oder versehentlich ‚Bonn West‘ meint.“
Ich frage, welche Begegnungen ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind. Er seufzt einmal über seine Lautsprecher. „Da ist dieser Mann mit dem Marmeladenglas voller Münzen. Jeden Morgen. Er kippt das ganze Glas in meinen Einwurfschlitz und schaut mich an, als erwarte er ein Wunder. Ich gebe mein Bestes, aber manchmal habe ich einfach kein Rückgeld mehr. Und dann beschimpft er mich. Dabei kann ich doch nichts dafür!“
Ich erkundige mich nach den kostenlosen Schulungen, die go.Rheinland für Fahrgäste anbietet. Der Automat klingt plötzlich regelrecht enthusiastisch. „Endlich! Endlich lernen die Leute, dass die Lupe nicht bedeutet: ‚Zeig mir die schnellste Verbindung nach Hogwarts.‘ Und dass ‚Start‘ nicht heißt, dass ich abhebe. Wissen Sie, jeder geschulte Mensch ist ein Mensch weniger, der mit Handschuhen auf meinen Touchscreen einschlägt.“ „Und wenn trotzdem etwas schiefgeht?“, frage ich. „Dann piepse ich freundlich“, sagt er. „Das verwirrt die meisten so sehr, dass sie einfach von vorne anfangen. Ich nenne das meinen diplomatischen Modus.“
Zum Abschluss frage ich ihn, was er sich für seine Zukunft im Rheinland wünscht. Der Automat summt kurz und antwortet dann erstaunlich sanft: „Weniger zerkratzte Displays. Weniger Menschen, die verzweifelt versuchen, einen völlig zerknitterten 50-Euro-Schein in mich hineinzustopfen. Und bitte – bitte – niemand soll mich mehr nach ICE-Tickets fragen. Ich bin ein Nahverkehrsautomat! Wenn ich Fernverkehr verkaufen könnte, hätte man mir wenigstens einen Kaffeeauswurf spendiert.“
Er paust kurz, dann sagt er leise: „Ich bin kein Monster. Ich bin ein Dienstleister. Ich will helfen. Aber wenn man mich schlägt, schreit oder beschuldigt – ja, dann stürze ich eben mal ab. Auch ein Automat hat Gefühle … na ja, Systemprozesse.“ Als ich gehe, piepst er zum Abschied. Vielleicht ein Dankeschön. Vielleicht eine Fehlermeldung. Vielleicht beides. Wer am Kölner Hauptbahnhof eine Fahrkarte nach Bonn löst, sollte jedenfalls wissen: Hinter dem Ticket steckt ein kleiner, metallischer Philosoph mit WLAN und Würde.
Und während ich den Bahnsteig verlasse, denke ich wehmütig an die alten Zeiten, bevor Automaten alles regierten, als die Kölner Heinzelmännchen noch heimlich für Ordnung und Sauberkeit sorgten: „Wie war es doch vordem…“ –damals,
als Fahrkarten noch von Menschen verkauft wurden und ein Lächeln mehr zählte als ein Touchscreen-Piepen.“
1) https://wir.gorheinland.com/medienportal/alle-inhalte/einzelansicht/kostenlose-schulungen-fuer-neue-fahrkartenautomaten/