Trete ein und lausche zwei Beoachtern des Alltags.
Motte und Rabe! In ihrer eigenen, humorvollen Magazin-Reihe nehmen uns die beiden jungen Freunde mit in ihre Welt voller Neugier, Schabernack und kluger Gedanken.
Ob auf dem Heimweg von der Schule, beim Fachsimpeln über die neuesten Errungenschaften der Modellflieger oder bei Entdeckungen in der heimischen Garage.

Motte und Rabe haben zu allem etwas zu sagen und damit sind sie ja wohl nicht alleine. Während Motte die Dinge gerne mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und strukturiertem Optimismus anpackt, kontert Rabe wunderbar lässig und pragmatisch.
Ihre unterhaltsamen, pointierten Gespräche schlagen dabei immer wieder eine Brücke zum aktuellen Zeitgeschehen und den kleinen wie großen Fragen des Lebens. Mit viel Witz, Charme und einer erfrischenden Prise jugendlicher Logik bringen uns die beiden nicht nur zum Schmunzeln, sondern regen auch zum Nachdenken an. Ein humorvoller Blick auf die Welt, der zeigt, was echte Freundschaft ausmacht – direkt hier im Magazin von Der Sternfahrer.
Neueste Gespräche
Motte und Rabe – der Johannes hat Geburtstag
Motte und Rabe – der Johannes hat Geburtstag – ein Gespräch unter Freunden #22
„Du Rabe, sind das nicht schöne Stunden hier im Heu, wenn wir den Modellfliegern zuschauen. Wir dürfen da bestimmt auch bald mitmachen.“
„Schau, der Junge da, Johannes heißt der, der ist doch auch schon dabei. Und wie der sich schon auskennt. Der kommt immer mit seiner coolen Sonnenbrille und der schönen Tasche, Fette Beute steht darauf mit dem Räuber Hotzenplotz.“

„Rabe, der große Junge hat seinen großen Segler dabei. Ich habe gehört wie die anderen ihn immer Tim rufen. Schau, jetzt baut er den Segler auf.“ „Ich glaube die beiden fliegen gleich zusammen mit dem Segler. Die nennen das Lehrer-Schüler.“ „Ja und der Lehrer ist der Tim. So einen jungen Lehrer hätte ich gerne. Ob der Johannes das wohl schafft?“ „Motte, die helfen ihm doch alle. Das sind Freunde, wie wir, die Alten, der Junge, der Lehrer, der Tim und all die anderen.“ „Ja, jetzt machen sie die Sender fertigt und sprechen miteinander.“
„Verstehst Du was die sagen?“ „Moment Rabe, die reden davon, dass der Johannes heute Geburtstag hat. Sieben Jahre ist der jetzt und sicherlich auch schon in der Schule. Rabe, ich glaube der ist so schlau wie Du.“ „Wer?“ „Der Johannes, das Geburtstagskind.“
„Gleich geht es los mit dem Geburtstagsfliegen. Motte, das gefällt mir, ich habe auch bald Geburtstag. Ich bin gespannt, ob ich dann von meinem Onkel Wilhelm den Lilienthal aus dem Modellbaugeschäft in Hennef bekomme.“
„Es geht los Rabe.“ „Und Geburtstagskuchen gibt es auch, Möhrenkuchen.“
Aus dem Archiv
Motte und Rabe – die schwärmen jetzt für Flieger
Motte und Rabe – die schwärmen jetzt für Flieger – ein Gespräch unter Freunden #37
„Du Rabe?“ „Ja Motte, was gibt es?“
„Ich habe mir gestern in der Eisdiele Da Enzo zwei Eisbällchen in einem knusprigen Hörnchen gekauft. Das war lecker. Und stell Dir mal vor, wen ich da getroffen habe.“
„Weiß ich doch nicht, den Herrn Pfarrer oder einen anderen Deiner Freunde?“

„Nein Rabe, Deine Mutter und ihre Freundin Brigitte. Ich stand in der Schlange hinter denen und habe alles gehört.“ „Ach, Du hast wieder gelauscht? Worüber haben sie denn gesprochen? Über mich etwa?“
„Nein Rabe, die haben über einen Flieger gesprochen und ein ganz tolles Flugzeug, einen Doppeldecker. Die beiden waren ganz verrückt danach und haben nur so geschwärmt. Was für ein netter Mann, und die Landschaft – einmalig.“ „Meine Mutter und Brigitte, Du bist Dir sicher Motte?“ „Ja, vollkommen sicher, es gibt keinen Zweifel.“ „Haben die geträumt?“
„Nein Rabe, die hatten wohl zusammen einen Film gesehen.“ „Elvis? Der ist jetzt in den Kinos gestartet. Das war doch auch so ein Frauenschwarm. Mein Onkel Wilhelm hat davon erzählt als wäre er selbst Elvis und dann hat er den ganzen Tag mit seiner Luftgitarre und schwingenden Hüften nur noch gute Laune verbreitet.“
„Nein Rabe, der Flieger heißt nicht Elvis, der Film spielt in Afrika. Ich glaube da spielt Elvis nicht mit, sondern ein Robert.“ „Ach, und das findest Du aufregend Motte?“
„Nein, da gab es auch schöne Aufnahmen von einem Doppeldecker, da sind der Robert und eine Frau mit geflogen und haben sich Afrika von oben angesehen.
Hier Rabe, ich habe einen Ausschnitt dabei, schau nur.
„Motte, jetzt kann ich mir vorstellen, wie verzückt die beiden Damen waren und gerne vor Robert in dem Flugzeug gesessen hätten und er ihnen Afrika von oben zeigt.“ „Das glaube ich auch Rabe, aber das Schönste kommt ja noch.“ „Und was?“
„Als die beiden ihr Eis hatten und sich umdrehten, haben sie mich gesehen und fast umgerannt. Dann haben sie nur noch gekichert und zu mir gesagt: Flieger grüß mir die Sonne. Und stell Dir vor, die Freundin Deiner Mutter, die Brigitte, setzte noch hinzu: und natürlich Deinen Vater. Verstehst Du das?“
„Das verstehe ich gut Motte.“ „Ja und?“ „Das erkläre ich Dir, wenn Du groß bist.“
„Rabe, die Montagsfliegern haben auch so ein Flugzeug wie in dem Film, nur in einer anderen Farbe und eben ein Modell.“
„Ja Motte, die haben nicht nur eine Motte, sondern mit Dir zwei.“ „Und einen Robert haben die auch Rabe.“
Gespräche unter Freunden – Das Tapirtier
Aus der Reihe Gespräche unter Freunden
Die beiden jungen Freunde Motte und Rabe schlendern nach Schulschluss den Gehweg entlang. Motte, stets mit einem gewissen Ernst bei der Sache, hält seinen schweren Ranzen ordentlich fest, während Rabe ihn lässig über einer Schulter baumeln lässt, als wolle er signalisieren, dass er jederzeit bereit sei, ihn endgültig wegzuwerfen.
„Heute haben wir wieder Unterricht bei der Frau Klassenlehrerin gehabt“, beginnt Rabe, während er mit den Schuhspitzen kleine Kiesel auf dem Gehweg anstößt. „Das ist ja an und für sich nichts Besonderes“, bemerkt Motte trocken.
„Aber wir haben über Tiere in fremden Ländern gesprochen!“, verkündet Rabe, als hätte er sich persönlich durch den dichten, feuchten Dschungel geschlagen. Motte nickt wohlwollend. „Ah, Zoologie also.“ „Zoolo– was?“ „Zoologie. Die Lehre von den Tieren.“ Rabe winkt ab. „Lehren und Lernen – immer diese komplizierten Dinge. Jedenfalls hat uns die Frau Klassenlehrerin ein Bild gezeigt und eine Aufgabe mitgegeben.“ Motte sieht ihn interessiert an. „Und welche, Rabe?“ „Wir sollen überlegen, was das Tapirtier benützt.“ Motte runzelt die Stirn. „Das Tapirtier?“ „Ja, das Tapirtier!“ Rabe nickt.
„Benützt das Tapirtier… Klopapier?“ Einen Moment lang herrscht Schweigen. Dann sagt Motte vorsichtig: „Ja… es benützt es.“ Rabe hebt triumphierend den Zeigefinger. „Aber was nützt es?“1)

Sie sehen sich an. Und plötzlich bricht es aus ihnen heraus – ein schallendes Lachen, das den gesamten Heimweg begleitet. Lachend und hüpfend setzen sie ihren Weg fort, während irgendwo, in einem fremden Land, ein Tapir vermutlich unbeeindruckt sein Geschäft verrichtet.
Ein Beitrag aus der Reihe Gespräche unter Freunden
1) frei nach dem Gedicht von Jaromír Plachý, Tschechien