Während andernorts geschniegelt gedeckte Kaffeetafeln auf ihren Einsatz warten, Sahnetorten in Alarmbereitschaft stehen und verzweifelte Familienväter fragen „Hat jemand an die Blumen gedacht?“, herrscht auf der Flugwiese in Lichtenberg eine andere Form gelebter Zivilisation.
Es ist Muttertag. Die Sonne scheint. Und das Gras hat beschlossen, innerhalb weniger Tage auf Kniehöhe zu wachsen. Wo vor kurzem noch gelber Löwenzahn leuchtete, breitet sich nun ein flauschiges Meer aus Pusteblumen aus. Schwalben schießen kreuz und quer über die Wiese, als hätten sie einen geheimen Wettbewerb für den niedrigsten Vorbeiflug organisiert.

Thermik liegt in der Luft — und der Duft frisch gemähten Grases gleich dazu. Denn natürlich hat jemand einen Rasenmäher mitgebracht. Während in deutschen Wohnungen Kaffeemaschinen röhren und Bienenstich serviert wird, schiebt in Lichtenberg ein tapferer Kamerad das Gerät durch das hohe Gras und hinterlässt Schneisen wie ein Expeditionstrupp im Amazonas. Jeder packt mit an. Hier wird nicht gefragt, wer dran ist. Hier wird gemäht, geflogen, gefachsimpelt und gelacht.
Und mittendrin: der „Just Friendly 2.0“. Allein der Name klingt bereits wie ein diplomatisches Friedensangebot an den Modellflug. Günter und Roland haben den Segler mitgebracht, und kaum ist der Akku angesteckt, hängt das Modell auch schon über der Wiese in der Thermik.

Es ist ein gutmütiger Allround-Segler mit 3,03 Metern Spannweite, entwickelt für entspanntes Thermikfliegen mit einem unkomplizierten Aufbau, geringerem Gewicht und einem angenehmen Flugverhalten. Genau das richtige Flugzeug also für einen Maisonntag, an dem niemand beweisen muss, wie schnell oder spektakulär er fliegen kann.
Der „Just Friendly 2.0“ zieht ruhig seine Kreise über der frisch teilgemähten Wildnis, als wolle er sagen: „Ja, man könnte jetzt auch geschniegelt irgendwo Kuchen essen. Aber hier oben ist die Aussicht besser.“ Und während die Schwalben mithalten wollen, die Pusteblumen über die Wiese treiben und unten diskutiert wird, ob man vielleicht doch noch eine zweite Bahn mähen sollte, ist allen klar:
Es gibt schlechtere Arten, einen Muttertag zu verbringen.