Reise um die Erde – Cochem – Reichsburg

Die Perle an der Mosel – Sanft wie ein silbernes Band schlängelte sich die Mosel durch die Hügel, als trüge sie Weinberge auf ihren Schultern. Und dort, wo das Wasser eine elegante Biegung beschreibt, erhob sich Cochem, eine Stadt, die sich mit malerischen Gassen und spitzen Türmen an den Hang schmiegt, als hätte sie die Zeit in den Mauern bewahrt.

Über allem thronte die Reichsburg, wie eine Krone aus Stein, hoch auf dem Felsen. Ihre Zinnen ragten stolz in den Himmel, von Legenden umweht, als seien Ritter und Minnesänger eben erst durch ihre Tore geschritten. In ihrem Inneren hallten die Räume von vergangenen Festen, und draußen fiel der Blick weit über Fluss und Weinberge, wo jede Rebe in der Sonne wie ein kleiner Smaragd glänzte.

Unser fliegendes Fahrrad schwebte über die Dächer der Stadt, über das bunte Treiben am Ufer, wo Schiffe anlegten und die Mosel leise gegen die Steine klatschte. Die Türme der Kirchen stiegen zwischen den Fachwerkhäusern empor, und die Gassen wirkten wie aus einem alten Märchenbuch herausgeschnitten.

Doch es war nicht nur das Mittelalter, das hier sprach – es war auch die Landschaft selbst: die steilen Rebhänge, in denen der berühmte Moselwein gedeiht, die weichen Hügel, die sich wie Wellen hintereinander türmten, und die stille, fast träumerische Strömung des Flusses.

Cochem war wie ein Gedicht aus Stein, Wasser und Wein – und die Reichsburg das leuchtende Reimwort, das dieses Bild vollendete. Als wir uns wieder erhoben, blieb die Stadt hinter uns zurück wie eine kleine, glänzende Miniatur, eingebettet in das große Tal der Mosel.

Reise um die Erde – Rothenburg ob der Tauber

Ein Traum aus dem Mittelalter – Wie eine Miniatur in einer alten Chronik lag es vor uns, Rothenburg ob der Tauber, hoch über dem lieblichen Taubertal. Unser fliegendes Fahrrad trug uns sanft über die Wiesen hinauf zur Stadt, die mit Mauern, Türmen und Dächern erschien, als sei die Zeit hier irgendwann stehen geblieben.

Im Herzen öffnete sich der Marktplatz, ein Bühnenraum aus Jahrhunderten: das Rathaus mit seiner stolzen Fassade und dem hohen Turm, von dem einst Wächter den Blick weit ins Land schweifen ließen. Gleich daneben erhob sich die Jakobskirche, ihr steinernes Gewand schlicht und doch erfüllt von geheimnisvollem Glanz, denn in ihrem Inneren birgt sie den berühmten Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider, ein Werk von stiller Erhabenheit.

Wir glitten tiefer hinab, bis wir vor dem wohl bekanntesten Bild der Stadt schwebten: dem Plönlein, jenem kleinen Platz, wo ein schiefes Fachwerkhaus zwischen zwei Toren thront, ein Bild, das wie eine Postkarte aus dem Mittelalter wirkt.

Rothenburg BW 4

Von dort führte uns der Weg in den Burggarten, wo Rosen blühten und von der alten Stadtbefestigung der Blick weit hinaus ins Taubertal glitt – eine Landschaft von sanfter Schönheit, die sich wie ein grünes Tuch um den Felsen der Stadt schmiegte.

Doch Rothenburg bewahrt nicht nur das Schöne, auch das Strenge vergangener Zeiten: Im Mittelalterlichen Kriminalmuseum zeugen eiserne Masken, Pranger und Folterinstrumente von den dunklen Seiten der Geschichte, als Recht und Gerechtigkeit oft mit Schmerz und Strafe verbunden waren.

MKM Streckbank

Wieder hinausgetragen an den Rand der Stadt, schwebten wir entlang der Stadtmauer, die sich mit Türmen und Wehrgängen wie ein geschlossener Ring um Rothenburg legt – ein steinernes Band, das seit Jahrhunderten seine Bürger schützt.

Unter uns leuchteten die roten Dächer, und für einen Moment war es, als hätten wir die Zeit selbst durchflogen: hinein in das Herz des Mittelalters, das hier noch immer schlägt.

Reise um die Erde – Luzern – Matterhorn

Luzern – Vom See zu den Bergen – Der Morgen brach in sanften Farben an, als unser fliegendes Fahrrad über das funkelnde Band der Reuss glitt. Vor uns lag Luzern, von Bergen umarmt, die Dächer im goldenen Schimmer der Sonne. Die Kapellbrücke spannte sich wie ein bemalter Bogen über den Fluss, ihr hölzerner Gang ein lebendiges Bilderbuch vergangener Jahrhunderte. Neben ihr wachte der Wasserturm, fest und geduldig, als hielte er das Herz der Stadt in seiner steinernen Hand.

Panorama-Luzern

Am Ufer glänzte das Kultur- und Kongresszentrum mit seiner modernen Fassade, während hinter ihm das alte Luzern weiteratmete – stille Plätze, schmale Gassen, die zum See hin abfielen. Über den Dächern ragten die Zwillingstürme der Hofkirche, und aus der Ferne grüßte der Pilatus mit seinem zackigen Grat.

Wir hoben uns höher, folgten dem glitzernden Spiegel des Vierwaldstättersees, dessen Ufer sich wie ein gefaltetes Band zwischen Wiesen und Fels schlängelten. Weiße Schiffe glitten dahin, als trügen sie leise Geschichten von Postkarten und Sommern in sich.

Dampfschiffe in Luzern (cropped)

Dann wurde das Blau tiefer, die Täler enger, der Himmel klarer. Hinter uns verschwand Luzern, vor uns wuchsen Gipfel auf – bis er erschien: das Matterhorn, 4478 m, kühn und einsam, ein steinernes Segel im Meer der Wolken. Sein Schnee glühte im ersten Licht wie reines Silber, und wir wussten:

Matterhorn ascent Dore

Hier endet kein Weg – hier beginnt ein neuer.

Ich erinnerte mich an Edward Whymper, den englischen Bergsteiger, der am 14. Juli 1865 mit seiner Seilschaft als Erster den Gipfel erreichte.

Es war ein Triumph – und eine Tragödie. Auf dem Abstieg riss ein Seil, vier Männer stürzten in den Tod, und das Matterhorn nahm ihre Namen in den Nebel der Geschichte auf. Seitdem steht es da wie ein stiller Zeuge, schön und unnahbar, ein Berg, der Ehrfurcht gebietet und doch ruft wie eine ferne Stimme aus Stein.

Wir umkreisten den Gipfel, spürten die Stille, die selbst den Wind zum Schweigen brachte, und setzten dann unseren Flug fort – tiefer hinein in das Herz der Alpen.