Eine V 200 – Erinnerung, Wunsch und Wiederbegegnung

Eine V 200 – sie ist mehr als nur eine Lokomotive. Sie ist Erinnerung. Erinnerung an die eigenen Kindheitsjahre, an das Staunen vor Schaufenstern der Spielwarenläden, an das leise Brummen der Hoffnung, das jedes Mal einsetzte, wenn der Blick auf die große, rote Diesellok fiel. Für die Märklin-Modellbahnanlage im Kinderzimmer war sie der lang ersehnte Wunsch, fast schon ein Mythos. Anfang der 1960er-Jahre, zu Weihnachten, wurde dieser Wunsch schließlich erfüllt: Eine V 200 zog ein – selbstverständlich analog, so wie es damals ganz normal war. Sie drehte ihre Runden im Kinderzimmer, zog ein paar Wagen durch enge Radien und war Mittelpunkt jeder Spielsession. Eine V 200 im Kinderzimmer – das war kein Luxus, sondern gelebter Modellbahnalltag jener Zeit.

Viele Jahrzehnte später, zum Jahresbeginn, kam es zur Wiederbegegnung: Auf einer Modellbahnbörse wurde sie neu erworben – diesmal als Gleichstrom-Modell von Roco, erneut ganz bewusst analog. Bestimmt für den Einsatz auf dem Modellbahndiorama „Irgendwo“, wo sie ohne digitale Zwänge, ganz klassisch, ihre Runden zieht. Reduziert auf das Wesentliche, so wie früher – Fahrregler, Strom, Bewegung.

Und selbstverständlich gehört eine V 200 auch nach „Nirgendwo“. Dort zeigt sie sich im Hightech-Kleid: als ESU V 200 008, Artikel-Nr. 31336. Digital, mit kraftvollem, authentischem ESU-Sound, fein abgestimmter Motorregelung und beeindruckender Laufruhe. Gefederte Puffer, metallisches Fahrwerk, filigrane Anbauteile und die vorbildgerechte Beleuchtung lassen sie fast wie ein geschrumpftes Original wirken. Diese V 200 steht sinnbildlich für das, was moderne Modellbahn heute leisten kann:

Technik auf höchstem Niveau und zugleich das vertraute Gefühl jener Lok, die einst im Kinderzimmer ihre ersten Runden drehte.

In „Nirgendwo“ verbindet sich so die Erinnerung an die analoge Vergangenheit mit der digitalen Gegenwart – verkörpert durch eine V 200, wie sie zeitgemäßer kaum sein könnte.

So spannt die V 200 einen Bogen über Generationen hinweg – von der analogen Kindheitserinnerung bis zur hochdetaillierten Modellbahn der Gegenwart.

„Irgendwo“ – Das Maintor

Es gibt Orte, die tragen ihr Versprechen schon im Namen. Irgendwo ist so einer. Kein Punkt auf der Landkarte, sondern ein Zustand – zwischen Erinnerung und Modellbau, zwischen Maßstab und Gefühl. Und nun ist ein weiteres historisches Gebäude gewachsen.

Still erhebt es sich, massiv und zugleich einladend: das Maintor. Sein Vorbild steht seit Jahrhunderten in Sommerhausen am Main, einem kleinen, romantischen Weinort, dessen Stadtmauer den Ort noch immer wie ein schützender Arm umschließt.

In diese Mauer sind mehrere Türme integriert – stumme Wächter der Geschichte.

Für viele der Älteren ist vor allem der Rote Turm unvergessen: Drehort des Films „Vater sein dagegen sehr“ (1957) mit Marianne Koch und Heinz Rühmann. Ein Stück deutscher Filmgeschichte, eingefroren in Stein.

2019 Sommerhausen Am Berghof 13 01

Doch das Maintor ist mehr als ein historisches Bauwerk. Es ist Teil der eigenen Erinnerung. Ein Besuch in Sommerhausen vor mehr als dreißig Jahren hat sich unauslöschlich eingeprägt – Tage, die im Turm selbst verbracht wurden, in seinen Räumen, auf seinen Ebenen. Tage zwischen dicken Mauern und weitem Blick, zwischen Stille und dem leisen Geräusch des Mains. Diese persönliche Erfahrung macht das Tor zu mehr als einem Motiv: Es wird zum inneren Ankerpunkt, zu einem Ort, der immer wieder aufgesucht wird – nun auch im Modell.

Stadtbefestigung, Ulrich-Gast-Weg 4 Sommerhausen 20181209 005

Wer Sommerhausen mit dem Schiff erreicht, kennt diesen Weg: Anlegen am Main, ein kurzer Fußmarsch, dann steht man davor. Links der kleine Anbau – einst das Zollhaus, in dem Waren und Wege kontrolliert wurden. Geradeaus das Tor, das den Übergang markiert: vom Fluss in den Ort, vom Unterwegssein ins Ankommen.

Tritt man hindurch und wendet sich noch einmal um, entdeckt man rechts die überdachte, hölzerne Treppe. Sie schmiegt sich an den Turm, führt hinauf zu zwei kleinen Räumen auf zwei Ebenen.

Wer das Glück hat, den heutigen Turmbewohner besuchen zu dürfen, wird belohnt mit einem Blick über Sommerhausen, über die Dächer, Reben und den träge fließenden Main. Romantik pur – unverstellt, zeitlos.

Sommerhausen BW 14

All das findet sich nun wieder in Irgendwo. Im Maßstab 1:87 (H0) ist das Maintor neu entstanden – nicht als exakte Kopie, sondern als erzählende Annäherung. Mit Fusion 360 digital konstruiert, mit eigener Hand gebaut in Mischtechnik, Schicht für Schicht, Material für Material:

  • 5 mm Schaumstoff bilden die Wände – leicht, aber formstabil
  • 1,2 mm Karton sorgt für feine Kanten und Details
  • 1,2 mm Balsaholz trägt die hölzerne Treppe, ihre Konstruktion und die Giebelverkleidungen
  • feine Wellpappe deckt die Dächer und lässt Ziegelstruktur erahnen
  • die Fenster entstanden im 3D-Druck, klein, präzise, charaktervoll

Verklebt wurde alles mit Weißleim, die Fenster erhielten Halt mit UHU Por. Die Farbgebung erzählt ihre eigene Geschichte: Airbrushfarben von Vallejo, ergänzt durch wasserlösliche Acrylfarben aus dem Bastelbedarf, stark verdünnt, lasierend in mehreren Schichten aufgetragen. Keine deckenden Flächen, sondern Patina. Zeit, die sich absetzt. Regen, Sonne, Jahrhunderte. Das Foto zeigt das Modell in zwei Seitenansichten.

Es offenbart die Massivität des Turms, den bescheidenen Zollhausanbau, die schräg ansteigende Holztreppe, die schützende Stadtmauer. Und irgendwo darunter: ein Fahrzeug, klein wie ein Gedanke – ein Hinweis auf Maßstab und Bewegung.

So ist das Maintor nun gebaut, vielleicht um Teil von Irgendwo zu werden. Ein Übergangsort. Ein Schwellenbauwerk. Nicht nur zwischen Main und Markt, sondern zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Erlebtem und Gebautem. Und vielleicht – ganz leise – auch zwischen dem, was einmal war, und dem, was im Modell weiterlebt.

Zum neuen Jahr 2026

In Irgendwo ist Neujahr. Das alte Jahr ist gegangen, leise und ohne Eile, und mit dem ersten Licht des Jahres 2026 steht der Wasserturm nun vollendet da.

Die Arbeiten an ihm sind abgeschlossen. Nach dem Vorbild des historischen Denkmals in Hennef-Heisterschoss, entstanden aus dem hier zum kostenlosen Download angebotenen 3D-Druck-Baukasten, hat er pünktlich zum Jahreswechsel seine endgültige Gestalt gefunden. Was Wochen zuvor noch aus einzelnen Teilen bestand, ist nun ein geschlossenes Bauwerk – ruhig, standfest, selbstverständlich.

Der Turm trägt das neue Jahr auf seinen Schultern. Fenster fangen das Winterlicht ein, das Dach ruht sicher auf seiner Konstruktion, und nichts erinnert mehr an die Mühe, die in ihm steckt. Er ist einfach da. So, als hätte er nur auf diesen Moment gewartet.

In Irgendwo beginnt 2026 mit einem neuen Gebäude. Die Menschen gehen vorbei, bleiben kurz stehen, schauen hinauf – und nehmen ihn mit in ihre Gedanken. Ein Bauwerk mehr im Ort, ein Zeichen dafür, dass auch ein neuer Anfang seine Fundamente braucht.

Und so richtet sich zum Beginn dieses neuen Jahres ein stiller Gruß an alle Leserinnen und Leser: Möge 2026 allen Gesundheit schenken, Gelassenheit im Alltag und Freude an den kleinen Dingen. Mögen Ideen wachsen, Projekte gelingen und genug Zeit bleiben für das, was mit Herz und Händen entsteht.

Ein gutes, friedliches und kreatives neues Jahr – mit festen Fundamenten, klaren Zielen und vielen schönen Momenten entlang der Gleise des Lebens.