Reise um die Erde – Meersburg am Bodensee

Die Dichterin und die Burg am See – Unser fliegendes Fahrrad zog seine Kreise über dem glitzernden Band des Bodensees, und bald tauchte vor uns die Stadt Meersburg auf, wie an die Hänge gemalt, die sanft zum Ufer hinabfallen. Weinberge kleideten die Hänge in sattes Grün, und dazwischen ragten Mauern und Türme auf: die Alte Burg, eine der ältesten bewohnten Burgen Deutschlands, ehrwürdig und zugleich lebendig, erster Bau im 7. Jahrhundert.

Der Hofnarr segelte mit seinem roten Paraglider knapp an den Zinnen entlang, ließ sich von der Thermik tragen, die vom See heraufstieg, und neckte die steinernen Wasserspeier, als ob er ihnen ein Lächeln entlocken wollte. Von oben bot sich ein Bild wie aus einem alten Märchenbuch: enge Gassen, Fachwerkhäuser, der Marktplatz mit dem barocken Neuen Schloss, und über allem die dunkle Silhouette der Burg, die über Jahrhunderten thronte.

In ihren Mauern lebte einst die große Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die hier zeitweise Unterkunft fand. Zwischen den steinernen Wänden der Burg schrieb sie einige ihrer bedeutendsten Werke – darunter die berühmte Novelle „Die Judenbuche“.

Die Räume der Dichterin Annette von Droste auf der Meersburg. In diesem Zimmer verstarb sie am 24. Mai 1848

Sterbezimmer von Annette von Droste-Hülshoff († 24. Mai 1848)

Dieses Werk erzählt die düstere Geschichte eines Mordes in einem westfälischen Dorf und enthüllt, wie Schuld, Aberglaube und gesellschaftliche Zwänge das Leben der Menschen durchdringen. Ein junger Mann, Friedrich Mergel, verstrickt sich in ein Netz aus Gewalt, Lügen und Flucht, bis er nach Jahrzehnten zurückkehrt und das Geheimnis um die Bluttat an der Buche offenbar wird. In diesem Werk mischen sich Realismus, psychologische Tiefe und eine feine Beobachtungsgabe – ein Spiegel menschlicher Abgründe, geboren aus der Feder einer Frau, die die Welt mit scharfen Augen und empfindsamem Herzen betrachtete.

Wir glitten über die Höfe, wo der Wind durch alte Fensterläden fuhr, als wolle er noch heute Verse tragen. Auf den Mauern wehte der Geist vergangener Jahrhunderte: Ritter, die ihre Schwerter schwangen, Edelfrauen, die von den Türmen hinausblickten, und nun auch die Gestalt einer Dichterin, die ihre Feder führte wie eine Klinge aus Worten.

Unter uns breitete sich der Bodensee aus, still und majestätisch, das Licht der Sonne tanzte auf den Wellen, und in der Ferne glänzten die Gipfel der Alpen. Es war ein Bild von Ewigkeit und Flüchtigkeit zugleich – und vielleicht war es eben dieses Spannungsfeld, das die Dichterin so bewegte.

Wir verabschiedeten uns mit einem letzten Blick auf die Burg, die im Abendlicht wie in goldenes Tuch gehüllt schien. Der Hofnarr flatterte davon, sein Lachen hallte über die Zinnen, und wir folgten ihm, getragen vom Wind, in die nächste Geschichte, die uns erwartete.


Reise um die Erde – Lindau am Bodensee

Die Insel im Spiegel des Wassers – Das fliegende Fahrrad glitt mit ruhigem Flügelschlag über die grünen Hügel des Allgäus, bis sich vor uns eine silberne Fläche öffnete – der Bodensee, so weit, dass er eher an ein Meer als an einen See erinnerte. Sein Wasser schimmerte im Abendlicht wie flüssiges Glas, die Berge der Alpen zeichneten sich am Horizont ab, und inmitten dieser Weite lag wie eine Perle die Inselstadt Lindau.

Der Hofnarr, sein Paraglider flatternd wie ein buntes Segel, ließ sich vom Wind tragen und spielte mit seinem Schatten, der über die Wasseroberfläche tanzte. Mit schelmischem Schwung umrundete er die berühmte Hafeneinfahrt, wo der steinerne Bayerische Löwe Wache hielt und der Leuchtturm in die Höhe ragte – ein majestätisches Tor, das Lindau mit dem See und der weiten Welt verband.

Wir schwebten tiefer, vorbei an den alten Gassen der Inselaltstadt, die sich mit Fachwerkhäusern, barocken Fassaden und kleinen Plätzen aneinanderreihten. Auf dem Marktplatz erhob sich das Rathaus mit seinen bunten Malereien, ein Märchen aus Stein, das Geschichten von Händlern, Bürgern und Reisenden erzählte. In den Cafés und unter den Arkaden klang das Lachen der Menschen wie eine lebendige Melodie, die sich mit dem Rauschen der Wellen mischte.

Weiter nördlich ragte die Stephanskirche, schlicht und erhaben, während die Münsterkirche Unserer Lieben Frau mit ihren Zwiebeltürmen in barocker Pracht glänzte. Jeder Turm, jede Gasse schien zu flüstern von Jahrhunderten, in denen Lindau eine Brücke zwischen Kulturen, ein Treffpunkt von Händlern, Künstlern und Pilgern war.

Doch es war der See selbst, der die eigentliche Bühne bildete: sanfte Wellen, die das Licht der Sonne einfingen, Boote, die wie Schwalben über die Fläche glitten, und die Ferne, wo die schneebedeckten Gipfel der Alpen wie Wächter am Horizont standen.

Wir hielten inne, schwebten still über dem Wasser.

Der Hofnarr ließ sich treiben, sein Paraglider spiegelte sich bunt im Bodensee, und für einen Moment schien es, als würden Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart im Glanz dieses Ortes eins werden.

Dann wandten wir uns wieder dem Himmel zu, getragen vom Wind, während Lindau hinter uns kleiner wurde – eine Insel voller Geschichten, ein funkelnder Edelstein im großen Spiegel des Bodensees.

Reise um die Erde – Paris Sacré-Coeur

Sacré-Cœur – Die weiße Krone von Montmartre – Sanft glitten wir mit unserem fliegenden Fahrrad über die Dächer von Paris, die in der Dämmerung wie ein endloses Meer aus Schiefer glänzten. Straßenlaternen begannen zu glühen wie goldene Sterne, die sich in den Adern der Boulevards niederließen. Und dort, hoch über dem städtischen Labyrinth, erhob sie sich – die Basilika Sacré-Cœur, wie eine weiße Krone auf dem Haupt der Stadt, strahlend über dem Montmartre.

Unser Hofnarr, den bunten Paraglider wie ein Schelmenbanner hinter sich herziehend, tanzte lachend durch die Abendluft. Er wirbelte um die Kuppeln der Basilika, als wolle er die Engel necken, die dort in Stein gehauen über die Pilger wachten. Die weißen Kuppeln, im byzantinischen Stil erbaut, leuchteten wie aus Licht geformt, und die höchste von ihnen schien den Himmel selbst zu berühren.

Wir landeten sanft am Vorplatz der Sacré-Cœur, wo Künstler ihre Staffeleien aufgestellt hatten. Ihre Hände fingen die Stadt ein, die sich zu ihren Füßen erstreckte – ein Panorama, das bis zu den Türmen von Notre-Dame und dem glitzernden Band der Seine reichte.

Doch Montmartre war mehr als nur ein Hügel, er war das Herz der Bohème. Wir wanderten durch enge, gewundene Gassen, vorbei an kleinen Cafés, deren Türen offenstanden, und hörten das leise Klimpern eines Klaviers, das sich mit Gelächter und dem Duft von frisch gebackenem Brot mischte. Hier lebten und arbeiteten einst Künstler wie Pablo Picasso, Henri de Toulouse-Lautrec und Amedeo Modigliani – sie fanden in Montmartre ihre Muse, malten, zeichneten und träumten von einer neuen Welt.

Hoch über uns thronte die Basilika, die im 19. Jahrhundert als Zeichen des Glaubens und der Hoffnung errichtet wurde. Ihr Inneres, von Mosaiken und farbigem Licht erfüllt, wirkte wie ein stilles Gebet, das im Kontrast zu den lebendigen Straßen ringsum stand.

Der Hofnarr setzte sich auf die Stufen, sein Hut mit den Glöckchen funkelte im Abendlicht. Für einen Moment schwieg er, blickte auf die Lichter der Stadt – und auch wir verstummten, ergriffen von der Poesie dieses Ortes, wo das Ewige und das Flüchtige, das Heilige und das Künstlerische, einander begegneten.

Und als die Nacht über Paris fiel, erhoben wir uns wieder in die Lüfte. Unter uns flackerte das unendliche Lichtermeer, doch über uns leuchtete die Sacré-Cœur, wie ein ewiger Stern, der uns den Weg wies.