Dampflok Baureihe 38 – Preußische P8

Zwischen sanften Rheinkurven und dem vertrauten Klang arbeitender Zylinder beginnt eine Reise in die Vergangenheit: Ein Nahverkehrszug mit den bekannten Donnerbüchsen, gezogen von der BR 38, rollt im Microsoft Train Simulator (MSTS) von Rolandbogen nach Remagen. Es ist eine virtuelle Fahrt – und doch atmet sie den Geist einer der berühmtesten deutschen Dampflokomotiven.

Die Baureihe 38, ursprünglich als Preußische P 8 bekannt, steht wie kaum eine andere Lokomotive für den zuverlässigen Alltagsdienst der Dampflokzeit. Entwickelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verkörperte sie die Idee einer universell einsetzbaren Schnellzuglok, die ebenso sicher vor Personenzügen wie vor leichten Güterzügen ihren Dienst verrichtete. Ihr ausgewogenes Erscheinungsbild, die großen Treibräder und der ruhige Lauf machten sie schnell beliebt – bei Lokpersonalen ebenso wie bei den Fahrgästen.

Eutingen Gleis 2 Lok 038 772 Nahgüterzug Gmms-Güterwagen - LABW - Staatsarchiv Ludwigsburg PL 734 KD 54

Gebaut wurde die P 8 ab 1906, vor allem von renommierten Herstellern wie Henschel & Sohn, Borsig, Schwartzkopff oder Hanomag. Insgesamt entstanden über 3.900 Exemplare, was sie zu einer der meistgebauten Dampflokomotiven Europas machte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Deutsche Bundesbahn einen großen Bestand und führte die Maschine fortan als Baureihe 38.10–40.

Ihre Epoche ist eindeutig die Epoche III der jungen Bundesbahn – eine Zeit des Wiederaufbaus, in der Dampfloks noch das Rückgrat des Personenverkehrs bildeten. Genau hier setzt auch das Video an: Die BR 38 zieht einen klassischen Nahverkehrszug entlang des Rheins, durch Bahnhöfe und Streckenabschnitte, wie sie in den 1950er-Jahren alltäglich gewesen wären.

Die Einsatzart der BR 38 war vielseitig. Ursprünglich für Schnellzüge konzipiert, fand sie bei der Bundesbahn vor allem im Personen- und Nahverkehr Verwendung. Ihre Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit machten sie ideal für Neben- und Hauptstrecken gleichermaßen. Entsprechend weit gefächert waren auch ihre Einsatzgebiete: Von der Rhein- und Ruhrregion über Norddeutschland bis nach Bayern war die Baureihe 38 nahezu überall anzutreffen.

Ein fester Heimatbahnhof ließ sich für die Baureihe kaum festlegen, da sie in zahlreichen Bahnbetriebswerken beheimatet war – unter anderem in Köln, Koblenz, Hamburg, Hannover oder Frankfurt. Gerade im Rheinland prägte sie über Jahre hinweg das Bild des alltäglichen Zugverkehrs, was die Strecke von Rolandbogen nach Remagen historisch besonders stimmig macht.

Mit dem Fortschreiten der Diesel- und Elektrolokäraus klang ihre Zeit langsam aus. Die Ausmusterung der BR 38 bei der Deutschen Bundesbahn begann in den späten 1950er-Jahren; die letzten Exemplare verschwanden 1974 aus dem Plandienst. Einige Maschinen blieben jedoch erhalten und erinnern bis heute an eine Epoche, in der Dampfwolken, Rhythmus und Technik den Takt der Eisenbahn bestimmten.

Dieses Video ist daher mehr als nur eine Simulation: Es ist eine erzählende Reise in die Vergangenheit – eine Hommage an die BR 38, die Generationen von Reisenden sicher ans Ziel brachte und bis heute Eisenbahnfreunde begeistert.

Eine V 200 – Erinnerung, Wunsch und Wiederbegegnung

Eine V 200 – sie ist mehr als nur eine Lokomotive. Sie ist Erinnerung. Erinnerung an die eigenen Kindheitsjahre, an das Staunen vor Schaufenstern der Spielwarenläden, an das leise Brummen der Hoffnung, das jedes Mal einsetzte, wenn der Blick auf die große, rote Diesellok fiel. Für die Märklin-Modellbahnanlage im Kinderzimmer war sie der lang ersehnte Wunsch, fast schon ein Mythos. Anfang der 1960er-Jahre, zu Weihnachten, wurde dieser Wunsch schließlich erfüllt: Eine V 200 zog ein – selbstverständlich analog, so wie es damals ganz normal war. Sie drehte ihre Runden im Kinderzimmer, zog ein paar Wagen durch enge Radien und war Mittelpunkt jeder Spielsession. Eine V 200 im Kinderzimmer – das war kein Luxus, sondern gelebter Modellbahnalltag jener Zeit.

Viele Jahrzehnte später, zum Jahresbeginn, kam es zur Wiederbegegnung: Auf einer Modellbahnbörse wurde sie neu erworben – diesmal als Gleichstrom-Modell von Roco, erneut ganz bewusst analog. Bestimmt für den Einsatz auf dem Modellbahndiorama „Irgendwo“, wo sie ohne digitale Zwänge, ganz klassisch, ihre Runden zieht. Reduziert auf das Wesentliche, so wie früher – Fahrregler, Strom, Bewegung.

Und selbstverständlich gehört eine V 200 auch nach „Nirgendwo“. Dort zeigt sie sich im Hightech-Kleid: als ESU V 200 008, Artikel-Nr. 31336. Digital, mit kraftvollem, authentischem ESU-Sound, fein abgestimmter Motorregelung und beeindruckender Laufruhe. Gefederte Puffer, metallisches Fahrwerk, filigrane Anbauteile und die vorbildgerechte Beleuchtung lassen sie fast wie ein geschrumpftes Original wirken. Diese V 200 steht sinnbildlich für das, was moderne Modellbahn heute leisten kann:

Technik auf höchstem Niveau und zugleich das vertraute Gefühl jener Lok, die einst im Kinderzimmer ihre ersten Runden drehte.

In „Nirgendwo“ verbindet sich so die Erinnerung an die analoge Vergangenheit mit der digitalen Gegenwart – verkörpert durch eine V 200, wie sie zeitgemäßer kaum sein könnte.

So spannt die V 200 einen Bogen über Generationen hinweg – von der analogen Kindheitserinnerung bis zur hochdetaillierten Modellbahn der Gegenwart.

„Irgendwo“ – Das Maintor

Es gibt Orte, die tragen ihr Versprechen schon im Namen. Irgendwo ist so einer. Kein Punkt auf der Landkarte, sondern ein Zustand – zwischen Erinnerung und Modellbau, zwischen Maßstab und Gefühl. Und nun ist ein weiteres historisches Gebäude gewachsen.

Still erhebt es sich, massiv und zugleich einladend: das Maintor. Sein Vorbild steht seit Jahrhunderten in Sommerhausen am Main, einem kleinen, romantischen Weinort, dessen Stadtmauer den Ort noch immer wie ein schützender Arm umschließt.

In diese Mauer sind mehrere Türme integriert – stumme Wächter der Geschichte.

Für viele der Älteren ist vor allem der Rote Turm unvergessen: Drehort des Films „Vater sein dagegen sehr“ (1957) mit Marianne Koch und Heinz Rühmann. Ein Stück deutscher Filmgeschichte, eingefroren in Stein.

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Doch das Maintor ist mehr als ein historisches Bauwerk. Es ist Teil der eigenen Erinnerung. Ein Besuch in Sommerhausen vor mehr als dreißig Jahren hat sich unauslöschlich eingeprägt – Tage, die im Turm selbst verbracht wurden, in seinen Räumen, auf seinen Ebenen. Tage zwischen dicken Mauern und weitem Blick, zwischen Stille und dem leisen Geräusch des Mains. Diese persönliche Erfahrung macht das Tor zu mehr als einem Motiv: Es wird zum inneren Ankerpunkt, zu einem Ort, der immer wieder aufgesucht wird – nun auch im Modell.

Stadtbefestigung, Ulrich-Gast-Weg 4 Sommerhausen 20181209 005

Wer Sommerhausen mit dem Schiff erreicht, kennt diesen Weg: Anlegen am Main, ein kurzer Fußmarsch, dann steht man davor. Links der kleine Anbau – einst das Zollhaus, in dem Waren und Wege kontrolliert wurden. Geradeaus das Tor, das den Übergang markiert: vom Fluss in den Ort, vom Unterwegssein ins Ankommen.

Tritt man hindurch und wendet sich noch einmal um, entdeckt man rechts die überdachte, hölzerne Treppe. Sie schmiegt sich an den Turm, führt hinauf zu zwei kleinen Räumen auf zwei Ebenen.

Wer das Glück hat, den heutigen Turmbewohner besuchen zu dürfen, wird belohnt mit einem Blick über Sommerhausen, über die Dächer, Reben und den träge fließenden Main. Romantik pur – unverstellt, zeitlos.

Sommerhausen BW 14

All das findet sich nun wieder in Irgendwo. Im Maßstab 1:87 (H0) ist das Maintor neu entstanden – nicht als exakte Kopie, sondern als erzählende Annäherung. Mit Fusion 360 digital konstruiert, mit eigener Hand gebaut in Mischtechnik, Schicht für Schicht, Material für Material:

  • 5 mm Schaumstoff bilden die Wände – leicht, aber formstabil
  • 1,2 mm Karton sorgt für feine Kanten und Details
  • 1,2 mm Balsaholz trägt die hölzerne Treppe, ihre Konstruktion und die Giebelverkleidungen
  • feine Wellpappe deckt die Dächer und lässt Ziegelstruktur erahnen
  • die Fenster entstanden im 3D-Druck, klein, präzise, charaktervoll

Verklebt wurde alles mit Weißleim, die Fenster erhielten Halt mit UHU Por. Die Farbgebung erzählt ihre eigene Geschichte: Airbrushfarben von Vallejo, ergänzt durch wasserlösliche Acrylfarben aus dem Bastelbedarf, stark verdünnt, lasierend in mehreren Schichten aufgetragen. Keine deckenden Flächen, sondern Patina. Zeit, die sich absetzt. Regen, Sonne, Jahrhunderte. Das Foto zeigt das Modell in zwei Seitenansichten.

Es offenbart die Massivität des Turms, den bescheidenen Zollhausanbau, die schräg ansteigende Holztreppe, die schützende Stadtmauer. Und irgendwo darunter: ein Fahrzeug, klein wie ein Gedanke – ein Hinweis auf Maßstab und Bewegung.

So ist das Maintor nun gebaut, vielleicht um Teil von Irgendwo zu werden. Ein Übergangsort. Ein Schwellenbauwerk. Nicht nur zwischen Main und Markt, sondern zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Erlebtem und Gebautem. Und vielleicht – ganz leise – auch zwischen dem, was einmal war, und dem, was im Modell weiterlebt.